GOOOOOOOOOOOOOOOOOL

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Fussball-WM Teilnehmer Panama

Feiertag in Panama am 11. Oktober 2017. Am Vorabend hatte sich Panama erstmals für eine Fussballweltmeisterschaft qualifiziert. Seither steht Panama Kopf. Alles hat geschlossen, staatliche Behörden inbegriffen. Bars, die längst geschlossen hatten, öffneten um 1 Uhr früh wieder. Es ist nur noch Fiesta. An Strassenverkehr ist nicht mehr zu denken.
Die Ekstase ist grenzenlos. Sie erfasst alle, nicht zuletzt auch den ehemaligen deutschen Nationalspieler Kevin Kuranyi („Sensationell!“), dessen Mutter aus Panama stammt, ebenso wie den höchsten Mann im Staate: Präsident Juan Carlos Varela fasste seine Emotionen in gleich acht Tweets („Für die Geschichtsbücher!“) und erklärte den 11. Oktober kurzerhand zum nationalen Feiertag.
Im Trainingsanzug der Nationalelf unterzeichnete er noch in der Nacht das entsprechende Dekret. Alle haben frei, auch die Schulen bleiben geschlossen.

„Zelebriert diesen historischen Tag!“,

schrieb er dazu.

„Es lebe Panama!“

Das Land, von dem in Deutschland viele erstmals hörten, weil Janoschs kleiner Tiger und kleiner Bär nach ihm suchten wegen der herausragend guten Bananen, hat nun doch tatsächlich in der WM-Qualifikation die USA hinter sich gelassen.

“Heute ist Feiertag!”

Keine Entscheidung dieses Präsidenten stiess bislang auf so viel Zustimmung.

Kurz vor Schluss des Spiels in der 88. Minute erzielte Román Torres im Stadion Rommel Fernández den historischen Treffer, einen wuchtigen Schuss unter die Latte ins Tor. Es folgte eine Explosion an Emotionen. Minutenlang schrie der Fernsehreporter nur noch

“Goooooooooool”.

Der Torschütze rannte gefühlte 5 Minuten mit nacktem Oberkörper am Spielfeldrand herum und zu den unterschiedlichen Fangruppen auf den Rängen, bevor er wieder eingefangen werden konnte. Bestimmt hat der Torschütze vom Schiedsrichter die gelbe Karte für die Familienchronik geschenkt bekommen.

Der Siegtorschütze für die WM Qualifikation

Auf den Rängen tobten die rot gekleideten “Fanaticos” unserer “Canalistas”.
Statt eigentlich fälliger zehn Minuten Nachspielzeit waren es nur drei, die gewährt wurden. Allerdings hatte man den Eindruck, die Ticos selbst wollten gar nicht mehr weiterspielen. Belustigt schauten sie zu, wie ein panamaischer Spieler von der Ersatzbank den ins Aus getrudelten Ball nicht zurückwarf, sondern mit voller Wucht über das Stadiondach hinweg in den Nachthimmer schoss – es grüsst Elfmeterschütze Uli Hoeness aus dem seinerzeitigen und deshalb verlorenem EM-Finale gegen die Tschechen. Der Ball von Uli Hoeness ist seither nicht auf die Erde zurückgekehrt, dieser Ball wird wohl auch nicht mehr zurückkommen.
Mit dem Tor hatte in Wirklichkeit die Fiesta schon begonnen, die absolut niemand mehr zu unterbrechen Lust hatte – auch nicht die Ticos.

Es herrscht Karneval!

Vieles kam zusammen. Um es in unserem Stil auszudrücken:

Die Fussballmannschaft der einzigen von der OECD anerkannten und tiefschwarz gelisteteten Steueroase Trinidad & Tobago hat die verlogenste Steueroase der Welt geschlagen, nämlich die USA. Dadurch qualifierte sich die neben der Schweiz wohl bekannteste Steueroase der Welt, also Panama, direkt für die WM in Russland.

Die Fans aus Costa Rica, die kurz vor Schluss den Siegtreffer Panamas durch Román Torres auf den Rängen im Stadion ansehen mussten, waren trotzdem nicht besonders traurig. Man hatte sich bereits zuvor als Gruppenzweiter qualifiziert gehabt. Ausserdem reisten die Ticos schon einen Tag früher in zahlreichen Bussen an. Einen Besuch beim Nachbarn Panama nutzt man stets zum Grosseinkauf. Die Warenvielfalt Panamas bietet Costa Rica nicht, ausserdem ist dort alles weitaus teurer. Kommen die Ticos in Scharen zum Grosseinkauf nach Panama, werden hierzulande die Waren um bis zum 50% im Preis reduziert. Woher sollen die Ticos wissen, dass man die Preise einen Tag zuvor erst einmal entsprechend heraufgesetzt hatte?

Kurz: Alle waren es zufrieden in Panama.

Schon fünf Mal war Panama Mitglied des Weltsicherheitsrates der Vereinten Nationen. Zu der Teilnahme an einer Fussballweltmeisterschaft hatte es dagegen noch nie gereicht. Als Mitglied des Weltsicherheitsrates tanzte Panama stets nach der Pfeife der USA. Das wird bei der WM 2018 in Russland nun nicht passieren können. Niemand tanzt dort nach der Pfeife der USA, Putin wird es freuen.
Und zu der Frage, ob Nordkorea den Panamaern aus Freude über die Eliminierung der USA – zumindest schon einmal auf dem Fussballplatz – den Flug nach Moskau spendiert, ist nichts bekannt.

Freuen dürfen sich auch die grossen Fussball Weltstars, die in Russland antreten werden. Sie treffen mit den Panamaern auf Freunde aus dem Land, mit dem man auf angenehme Weise längst verbunden ist – soweit man als Fussball-Weltstar einen intelligenten Berater an der Seite hat. Der hat dann nämlich seine Fussball-Artisten längst mit einer Stiftung aus Panama ausgestattet, um deren Vermögen dauerhaft zu sichern.
Ob Panama in Russland Fussball-Weltmeister werden kann, wollen wir hier nicht thematisieren. Aber über die weltbeste privatrechtliche Familienstiftung verfügt Panama zweifelsohne. Sie muss nur richtig gestaltet – pardon: “gecoacht” – werden. Dann sind die Fussballer dieser Welt glücklich.

So wie wir heute.

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