HANDELSBLATT

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Ingo Narat am 30. Juli 2012 im „Handelsblatt 

 

Die letzte Lösung lautet Enteignung

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Das sind die bedrohlichsten Worte, mit denen sich jemand vor Ihrer Haustür vorstellen kann: Ich bin von der Regierung und hier, um Ihnen zu helfen.

So sagte es der US-Schauspieler Ronald Reagan, in den achtziger Jahren Präsident der Vereinigten Staaten.

Er ist nah an der Wahrheit.

Es ist wieder Hilfezeit.

Politiker und Notenbanker wollen die Schuldenkrise lösen. Seit vier Jahren stecken wir im Morast. Dem festen Boden sind wir nicht nur keinen Millimeter nähergekommen. Wir rutschen immer weiter in den Schuldenmorast.

Die Roadmap zur „Lösung“ hat viele historische Vorbilder und liegt deshalb seit langem fest. Nur dringt sie äußerst langsam ins Bewusstsein. Das liegt auch daran, dass der Weg so steinig ist.

Es wird unangenehm und sogar bedrohlich für die Bürger.

Eines hätte Reagan in seinem leider viel zu wenig bekannten Statement noch ergänzen können. Doch diese Krise gab es zu seinen Zeiten ja noch nicht. Er hätte sagen können: 

Es gibt gar keine Staatsschuldenkrise, denn Staatsschulden sind Bürgerschulden.

Bürgerschulden wird jeder Bürger tragen müssen. So ist die einsetzende Diskussion etwa über Vermögensabgaben logisch. Buchhalterisch betrachtet, ist die Lösung simpel: Eine Umbuchung vom großen Privatvermögen zum Staat. Schon sind die Schulden weg – und die Bürger entsprechend ärmer.

Noch ärger sind die verschleierten Umbuchungen.

  • Der Staat enteignet schon jetzt seine Bürger durch die Euro-Krise. Fluchtgeld treibt die Zinsen Richtung null. Das freut Schäuble, muss er doch für seine Schulden, sprich Anleihen, fast nichts mehr zahlen. Der Staat lebt auf Pump zum Nulltarif.
  • Doch auf der anderen Seite der Bilanz schrumpfen die Zinseinnahmen der Bürger. Das sind auch unsere Vorsorgegelder, die größtenteils in Zinspapieren stecken. Wir müssen also nicht nur gewaltige Schulden abtragen. Wir werden auch im Alter ärmer sein.

Wie sollen wir vorsorgen? Zinsen und Wertpapierpreise sind durch Eingriffe der Politiker und Notenbanker längst manipuliert. Mit einem Augenzwinkern möchte man sagen: Solche Börsen könnten auch in Nordkorea stehen.

Geldanlage ist heute vor allem Vermögenssicherung.

Sachwerte schaffen das eher als Zinspapiere.

Aber wir müssen uns vor unliebsamen Besuchern an der Haustür wappnen. Und es klopft laut an der Tür. Reagan war hier seiner Zeit voraus.

Eigene Bemerkung:

Der „unliebsame Besucher an der Haustür“ erscheint weit weniger bedrohlich, wenn man  Teile seines Vermögens nicht mehr in dem Haus hat, zu dem diese Tür gehört.