Family Office – low profile

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In der Öffentlichkeit hört man nicht viel über die Profis, die “Family Offices” betreiben.

Das liegt daran, dass sie hinsichtlich ihrer eigenen Person als auch derjenigen ihrer Mandanten sich an das Gebot des “low profile” halten. Lautstarkes Trommeln ist ein unvorstellbares Verhalten für Family Offices!

Gleichwohl wird über die Arbeit von Family Offices dann berichtet, wenn etwa ein Prominenter in den Focus der Öffentlichkeit gerät. So geschehen beispielsweise im Jahr 2012 anlässlich der US-Präsidentschafts-Wahlkampagne von Mitt Romney, dem vorgehalten wurde, über ein Vermögen von USD 250 Millionen zu verfügen. Kritisiert wurde, dass diese Vermögenswerte verteilt waren mittels eines Netzes von Offshore Trusts und Bankkonten in einer Weise, dass er schlussendlich Einkommensteuer bezahlte von weniger als 15%.
Bekannt wurde, dass zumindest ein Vermögensverwalter da richtig gute Arbeit geleistet hatte.

Selbstverständlich ist es das Begehren eines jeden Vermögenden, aus seinem Vermögen noch mehr zu machen. Das versteht sich eigentlich von selbst. Und dafür bedient man sich der “Professionals”.
Deren Aufgabe ist es natürlich nicht nur – aber eben auch – die Vermögenswerte vor übermässiger Besteuerung zu schützen als auch vor Gläubigern als da sind

  • lästige Kläger,
  • geschiedenen Ehegatten,
  • habgierige Erben und Pflichtteilsberechtigte.

 

Es geht um das Kunststück, das alles fertig zu bekommen, ohne dabei Gesetze zu brechen.

Investigative Journalisten versuchen natürlich immer wieder, den Geheimnissen auf den Grund zu kommen.

In einer US-amerikanischen Finanzzeitschrift wurde der Fall einer Journalistin beschrieben, die so hartnäckig war, dass sie zwei Jahre lang Fortbildungskurse besuchte, so dass sie schliesslich als professionelle Insiderin betrachtet wurde. Respekt!

Und diese Dame plauderte danach etwas aus dem Nähkästchen. Dabei schimmert dann natürlich die Attitüde des investigativen Journalisten durch, der sich für den Verfechter einer „besseren Welt“ hält.

Hören wir uns die Dame gleichwohl einmal an:

Droht eine teure Scheidung? Kein Problem! Der richtige Vermögensverwalter steckt die Vermögenswerte in einen Offshore Trust. Damit sind sie nicht mehr Eigentum der Person, die „gemolken“ werden soll. Sie sind deshalb der Justiz im Land etwa des Gerichtsstandes des Scheidungsverfahrens entzogen. Selbst wenn die Justiz den Trust knacken will, wird ein guter Professional den Trust immer gerichtsfest machen.

Verwiesen wird als Beispiel auf den russischen Milliardär Dmitry Rybolovlev. Die Presse berichtete von der teuersten Scheidung in der Geschichte der Menschheit. Aber obwohl das Schweizer Gericht 50% des Vermögens der Exgattin Elena zukommen lassen wollte, musste es schliesslich kapitulieren und einräumen, dass es weitgehend unerreichbar sei. Die Trustkonstruktion machte es unerreichbar.

Die Rothschild Familie und viele andere Superreichen nutzen gern den sog. „Cook Islands Asset-Protection Trust”, plaudert unsere Journalistin weiter. Kein Gericht dieser Welt knackt diesen Trust. Das haben nicht einmal die USA geschafft – und das nicht einmal in einem Fall, der eindeutig kriminellen Hintergrund hatte: Kevin Trudeau und ein Immobilienprojekt-Entwickler aus Oklahoma, die Fannie Mae betrügerisch um USD 37,5 Millionen bzw. USD 8 Millionen erleichterten, können sich ihres ergaunerten Vermögens weiterhin erfreuen. Die USA sandten sogar ein hochqualifiziertes Juristenteam auf den 15-Stunden-Flug nach Rarotonga, um die Forderung vor den örtlichen Gerichten durchzusetzen. Sie hätten sich den Flug ersparen können.

Steueroptimierung sei ein weiteres Kunststück der Professionals der Family Offices, fährt die Journalistin fort. Sie würden “nicht einmal davor zurückschrecken”, Wohnsitze in Ländern für ihre Mandanten zu begründen, die besonders besteuerungsfreundlich sind. In den USA muss auch die Staatsbürgerschaft selbst gewechselt werden, muss also ein neuer Pass her. Facebook Gründer Eduardo Saverin tauschte seinen US-Pass ein gegen einen aus Singapur.

Richtig erkannt hat die Journalistin, dass das A & O der Arbeit eines Family Offices ist, die Privatsphäre des Mandanten zu sichern. Weder an Regulierungsbehörden noch an Zeitungen darf irgendetwas durchsickern.

Dazu gehört aber auch, dass das Family Office selbst ein „low profile“ befolgt. Das „Family Office“ wird nie das Gehabe eines Investmentbankers annehmen dürfen mit luxuriös ausgestatteten Vorzeigebüros. Das zieht nur die Aufmerksamkeit auf sich, und das ist zu verhindern. Mit viel Licht lockt man nur Ungeziefer.

Klar, alles muss sauber sein, die technische Ausstattung muss den hohen Anforderungen genügen, das Büro als solches sollte aber eher nicht sonderlich beeindrucken.

Niemand darf von aussen auch nur ahnen, welche Vermögenswerte ein „Family Office“ verwaltet. Und wer dort arbeitet, sollte eher keine Rolex am Handgelenk tragen, sondern statt dessen besser die unsichtbare Taschenuhr, die ja nicht unbedingt ein Billigprodukt sein muss. Der Ferrari ist auch tabu. Es gibt sehr viele unauffällige Autos, die auch sehr gut sind.

Ein Family Office gehört nicht in die Glitzerwelt die B- und C-Promis der Boulevardpresse von Boris Becker über Lothar Matthäus bis hin zur nackten Berliner Hauptstadtschnitte Micaela Schäfer.

Der normale intelligente vermögende Kunde dankt ein zurückhaltendes Auftreten des Family Offices; besser: macht es zur Voraussetzung der Zusammenarbeit.

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