CRASH – Was hat sich seit 2008 verändert ?

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In der Zeit vor der Finanzkrise strukturierten Investmentbanken komplizierte Finanzprodukte und bezahlten Ratingagenturen dafür, sie mit guten Bewertungen zu versehen. Dann wurden sie an Investoren aus der ganzen Welt verkauft.

In den vergangenen zehn Jahren sind E-Mails bekannt geworden, die die – bis heute fortbestehende – Verlogenheit des Systems deutlich machen. Die überparteiliche Aufklärungskommission

“Financial Crisis Inquiry Commission”

war bei ihrer Arbeit auf sie gestoßen. In wenigen Worten wird ein System markant beschrieben, das Banken und Hypothekenfinanzierer angeheizt haben Hand in Hand mit den Ratingagenturen.

Gehen wir in einige Details:

Ein Analyst der Ratingagentur “Standard and Poor’s” beschwerte sich mittels einer E-Mail im April 2006:

“Wir bewerten jeden Deal, … Auch wenn er von Kühen strukturiert worden wäre, wir würden ihn trotzdem bewerten.”

„Die Ratingagenturen schaffen ein immer größeres Monster – den CDO Markt“

sorgt sich ein anderer Mitarbeiter von “Standard and Poor’s” im Dezember 2006 und meinte damit die sog. “Collateralized Debt Obligations”, die im großen Stil von den Ratingagenturen bewertet und an Investoren verscherbelt wurden.

„Lass uns hoffen, dass wir alle wohlhabend sind und in Rente, wenn dieses Kartenhaus zusammenbricht.“

Wiederum ein anderer Mitarbeiter schrieb in einer E-Mail:

„Herr, steh uns bei in unserem verdammten Betrug… Dies ist der dümmste Ort an dem ich je gearbeitet habe. Wie du weißt hatte ich Probleme zu erklären, wie wir auf diese Zahlen gekommen sind, schließlich gibt es keine Wissenschaft, die dahinter steht.“

Auch bei der Ratingagentur “Moody’s” machten sich die Mitarbeiter Sorgen über dieses System. Das Unternehmen hatte selbst gesagt, dass ein Wertpapier, das mit der Bestnote AAA bewertet wird, eine Krise

„ähnlich der Großen Depression in den USA überleben sollte.“

Doch viele Mitarbeiter erkannten früh, dass dies nie der Fall sein würde. Top-Bewertungen gaben sie trotzdem aus. Auf Ansage von Vorgesetzten wurden Produkte abgenickt. Das Geschäft schien einfach zu lukrativ, um es abzulehnen.

“Lehman Brothers” engagierte sich vor der Pleite besonders stark im sogenannten Repo-Markt und nutzte Tricks, um vor den Quartalszahlen die wahre Verschuldungsquote zu verschleiern. „Repo 105“ wurde dieser in der damals viertgrößten Investmentbank genannt.
Top-Manager wussten jedoch Bescheid. Der damalige operative Vorstand, Bart McDade, nannte Repo 105 im Juni 2008, drei Monate vor der Pleite,

„eine weitere Droge, nach der wir süchtig sind“.

Der oberste Controller, Martin Kelly, räumte ein, dass die Transaktionen nur dazu da seien,

„um die Bilanz besser aussehen zu lassen“.

Bei “Bear Stearns” versuchten zwei Manager, die Investoren noch bei Laune zu halten, obwohl sie selbst längst erkannt hatten, dass ihre internen Hedge-Fonds keine Chance mehr hatten. Matt Tannin schickte E-Mails von dem privaten Konto seiner Frau an die private Adresse seines Kollegen Ralph Cioffi.

„Das sieht ziemlich hässlich aus. Wenn wir glauben, dass die Berechnungen der Analysten auch nur annähernd stimmen, sollten wir die Fonds jetzt schließen“,

räumte er im April 2007 ein.

Am folgenden Tag jedoch machten beide wieder Stimmung bei den Investoren.

„Im Großen und Ganzen glauben wir, dass sowohl der Markt für strukturierte Kredite als auch der Subprime-Markt weiter in Takt sind“,

versicherten sie Investoren während einer Telefonkonferenz.
Cioffi und Tannin kamen straffrei davon. Eine Jury urteilte 2009, dass sie keinen Wertpapierbetrug begangen hätten.

Die ehrenwerten Personen sind dem System erhalten geblieben.

Was hat sich seit 2008 verändert? – Entscheiden Sie das für sich selbst!

 

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