Zerstört eine normale Grippe die Weltwirtschaft?

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Ganz zu Beginn der Ansteckungen in den westlichen Industrieländern hat der hochangesehene Stanford Medizinwissenschaftler Ioannidis schon darauf hingewiesen, dass die täglich reisserisch in den Medien publizierten Daten über Infizierte und Tote wenig verlässlich sind.

Statistisch verfälschend wirkt insbesondere, dass ein hoher Prozentsatz der Corona-Infizierten keine oder nur sehr milde Symptome zeigt.

Wie gross die Zahlen auseinander gehen können, geht insbesondere aus einer Studie von Prof. Carlo di Vecchia hervor, einem Medizinstatistiker und Epidemiologen an der Statale di Milano University, der auch als Berater der WHO tätig war. Dieser kommt zum Schluss, dass in Italien die Zahl der COVID19 Fälle bei 5 Mio. oder sogar noch weit höher liegen könnte. Wird die Zahl der Infizierten massiv unterschätzt, heisst das aber natürlich, dass wir die Gefährlichkeit und die Sterblichkeitsraten des Corona-Virus etwa im Vergleich zu den jährlich in der kalten Jahreszeit auftauchenden Grippeviren stark überschätzen.

In einem kürzlich erschienenen Artikel im Wallstreet Journal kommen die Stanford-Medizinprofessoren Bendavid und Bhattacharaya zu einem ähnlichen Schluss, wonach die Tödlichkeit von COVID-19 wegen den vielen symptomlos Infizierten um mehrere Grössenordnungen überschätzt wird. Ob all der täglichen Horrorstatistiken zu den Corona-Fällen sollte nicht vergessen werden: traurigerweise

sterben weltweit jährlich rund 300.000 bis 600.000 Personen an der “gewöhnlichen” Grippe ,

ohne dass die Gesellschaft versucht wäre, mit drakonischen Massnahmen diese Zahlen nach unten zu drücken.

Der renommierte Stanford-Professor Ioannides stellt vor dem Hintergrund dieser Zahlen gar die ketzerische Frage, ob die politischen Entscheidungsträger bei ihrem Blindflug mehr Schaden anrichten als Gutes tun.

Zum diesem Schaden hat nunmehr der IWF Stellung bezogen:

Noch vor drei Monaten ging man davon aus, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2020 um 3% zulegen würde

Unter der Annahme, dass die Corona-Epidemie im zweiten Quartal dieses Jahres ihren Höhepunkt erreicht, erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) 2020 laut IWF-Chefökonomin Gita Gopinath die schlimmste Rezession seit der Grossen Depression und einen viel schlimmeren Einbruch als während der Finanzkrise, konkret:

  • Rückgang um 0,10% (2009),
  • Rückgang um 3,00% (2020),
  • dass ist 30 Mal mehr!

 

Kumuliert dürfte die Weltwirtschaft 2020 und 2021 BIP-Verluste von USD 9 Bio. erleiden. Das entspricht der kombinierten gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung von Japan und Deutschland.

Dieses sogar noch optimistische das Basisszenario des IWF zeigt einen sog. “V-Verlauf” für die globale Wirtschaftsentwicklung. Nur glauben an dieses optimistische Szenario die Fachleute nicht wirklich. Es dürfte schlimmer kommen.

Der IWF spricht von einer wahrhaft globalen Krise. Erstmals seit der Grossen Depression sind Industrieländer wie Schwellen- und Entwicklungsländer gleichzeitig in der Rezession. Die Wirtschaftsleistung in den Industrieländern würde bei dem optimistischen Szenario um über 6% schrumpfen, in den Schwellen- und Entwicklungsländern um 1% (um über 2%, wenn man China da endlich nicht mehr mit einrechnet).

Der IWF gibt aber selbst zu: Es könnte alles ebenso schlimmer kommen.

Kommt es zu einer längeren Periode der Eindämmung, welche zu schwierigeren Finanzierungsbedingungen und weiteren Störungen der Lieferketten führt, könnte die globale Wirtschaftsleistung 2020 gar um 6% zurückgehen. Wir näherten uns dann den Zahlen der Grossen Depression der 1930er Jahre an (10% im schlimmsten Jahr).

Frau Gita Gopinath gibt zu bedenken, dass die weitere Entwicklung von Faktoren abhängt, deren Interaktion schwierig vorauszusagen ist.

Zu diesen Faktoren gehören

  1. der Verlauf der Pandemie,
  2. die Intensität und Wirksamkeit der Eindämmungsbemühungen,
  3. das Ausmass der Störungen in den Lieferketten,
  4. die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen weltweit,
  5. die Verlagerungen bei den privaten und staatlichen Ausgaben,
  6. Verhaltensänderungen bei den Konsumenten,
  7. wechselseitige Vertrauensverluste,
  8. die Volatilität der Rohstoffpreise,
  9. etc.

Viele Länder seien mit einer vielschichtigen Krise konfrontiert, in der

  • ein Gesundheitsschock,
  • wirtschaftlicher Stillstand im Inland,
  • ein Einbruch der Auslandnachfrage,
  • der Abfluss von Kapital,
  • kollabierende Rohwarenpreise,
  • etc.

 

zusammenwirken.

E scheint nicht die positive Variante auf uns zuzukommen.

Nach der jüngsten Prognose der Welthandelsorganisation (WTO) könnte der globale Warenaustausch im laufenden Jahr wegen der Pandemie um bis zu ein Drittel einbrechen. Was die Ökonomen der WTO in ihren Frühwarnsystemen sehen, sind die unmittelbaren Folgen eines weltweiten wirtschaftlichen „Shutdowns“, der in China begann und sich dann mit dem Virus von Europa bis nach Amerika in Windeseile verbreitet hat.

Solche Betriebsunterbrechungen sind das Horrorszenario für viele Firmen. Im „Allianz Risk Barometer“ führen solche abrupten Zwangspausen in der Produktion schon seit dem Jahr 2013 die Liste der größten Managerängste an. Nur erahnen können die WTO-Experten, welche mittel- und langfristigen Folgen die Coronakrise für die durch globale Wertschöpfungsketten eng vernetzte Weltwirtschaft haben wird.

Das McKinsey Global Institute (MGI) hat errechnet, dass die Weltwirtschaft – gemessen an Handels-, Technologie- und Kapitalströmen – 2017 drei Mal abhängiger von China war als im Jahr 2000. Über ein Drittel aller weltweit produzierten Industrieprodukte kommt heute aus chinesischen Fabriken.

Mehr als 50.000 Firmen weltweit haben nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Dun & Bradstreet einen Systemlieferanten (Tier 1) in der Region rund um Wuhan.

„Viele Länder und Unternehmen denken jetzt verstärkt darüber nach, ob sie zu stark auf Lieferungen aus China angewiesen sind“,

sagt Max Zenglein, Chefökonom des Mercator Institute for China Studies (Merics) in Berlin.

Auch in China selbst ist der Stimmungsumschwung schon spürbar:

„Als das Land unter der Pandemie im Januar und Februar in die Knie ging, hat der Rest der Welt gespürt, wie abhängig alle von Lieferketten aus China sind. Die Veränderungen, die sich jetzt abzeichnen, sind nicht nur temporär, sondern dauerhaft“,

berichtet Jörg Wuttke, Chef der EU-Handelskammer in China.

Es wird wohl eher nicht zu der positiveren Variante kommen.

Es sieht tatsächlich so aus, als hätten die politischen Entscheidungsträger bei ihrem Blindflug mehr Schaden angerichtet als Gutes getan.

  • Warum?
  • Wirklich nur Dummheit?

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