Zentralbanken im Gold-Kaufrausch

Download PDF

Der absehbare “Perfect Storm” wirft seine Schatten voraus:

Alle Notenbanken dieser Welt zusammengenommen haben im abgelaufenen Jahr 2018 ihre Goldbestände netto um mehr als 651 Tonnen aufgestockt.

Das ist der höchste Wert seit dem Ende der Goldpreisbindung des Dollars im Jahr 1971.

John Mulligan, Analyst des World Gold Council (WGC), erklärt das so:

„Wegen der gestiegenen geopolitischen und ökonomische Unsicherheit haben Zentralbanken ihre Währungsreserven diversifiziert und verstärkt in liquide und sichere Anlagen investiert.“

Der Gold-Kaufrausch der Zentralbanken ist dem WGC zufolge 2018 der wichtigste Treiber der Goldnachfrage gewesen: Diese allgemeine Goldnachfrage stieg 2018 um 4% im Vergleich zu 2017.
Ebenfalls leicht zugelegt hat die Nachfrage durch physisch gedeckte Gold-Indexfonds.

„Die Investoren waren 2018 der wichtigste Nachfrage-Faktor“,

sagt Mulligan. Nach Russland gehörten die Zentralbanken der Türkei und Kasachstans zu den größten Goldkäufern im vergangenen Jahr. Sie stockten ihre Bestände jeweils um mehr als 50 Tonnen auf.

Die Gold-Ankäufe der Notenbanken markierten 2018 den vorläufigen Höhepunkt eines mehrjährigen Trends: Seit 2011 erwarben die Notenbanken unterm Strich mehr Gold, als sie verkaufen. Dabei spielt das Edelmetall seit der Aufhebung des Gold-Standards geldpolitisch praktisch keine Rolle mehr. Vielmehr sind es politische Ziele, die Staatschefs und Notenbanker mit den Edelmetall-Investments verfolgen wie die Absicherung vor dem grossen Crash. Ein neues Weltleitwährungssystem wird wohl wieder mit Gold verkoppelt sein. China hat bereits den Gold-Yuan erschaffen.

Gold ist ein Mittel, um Landeswährungen weniger anfällig für die Launen des amerikanischen Präsidenten Trump zu machen. Darauf lassen die aktuellen Daten zur Goldnachfrage klar schließen.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Goldnachfrage der Notenbanken um 74%.

Demnach hat die russische Notenbank vergangenes Jahr 274 Tonnen Gold angekauft. Das Land stockt bereits seit 13 Jahren seine Gold-Reserven kontinuierlich auf. In den vergangenen vier Jahren hat Russland jedes Jahr mehr als 200 Tonnen Gold erworben. Den Ankauf im Jahr 2018 hat das Land dem WGC zufolge hauptsächlich durch den Verkauf von US-Staatsanleihen finanziert.

Wer einen Konflikt mit Amerika hat, möchte seine Devisenreserven möglichst nicht in Dollar halten. Gold gibt den Staaten die nötige Flexibilität in einem Konflikt mit den USA. Für Gold erhalten die Länder immer Dollar. Da brauchen sie kein Konto bei der Fed. Das Risiko, vom Dollar-Handel ausgeschlossen zu werden, können die Länder dergestalt minimieren.

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt des Frankfurter Goldhändlers Degussa, bestätigt:

„Einige Staaten wollen die Dollar-Hegemonie nicht akzeptieren. Die einzige Alternative zum US-Dollar ist derzeit Gold.“

Insbesondere in China und Russland gibt es diese Bestrebungen. Erstmals seit 2016 hat sich auch China zum Goldbestand seiner Zentralbank geäußert – und eine Zunahme von knapp 10 Tonnen vermeldet.

Selbst die EU-Mitglieder Polen und Ungarn stockten über ihre Notenbanken die Bestände um nennenswerte Mengen auf. Für Ungarn war es der größte Gold-Kauf seit fast 30 Jahren. Hier spielen aus Sicht von Commerzbank-Volkswirt Krämer politische Motive eine Rolle.

„Ich interpretiere das als Diversifikation vom Euro-Raum.“

Beide Länder liegen mit der EU-Kommission im Clinch. So verklagt Brüssel Polen wegen einer Justizreform vor dem Europäischen Gerichtshof. Gegen Ungarn läuft dort eine Klage wegen der Migrationspolitik von Ministerpräsident Viktor Orbán. Angesichts dieser Konflikte sei es kein Wunder, dass sich beide Länder auch bei ihrer Notenbankpolitik eng abstimmen, so Krämer.

Gold gibt Sicherheit

Einer Umfrage des Councils unter Zentralbanken zufolge schätzt eine Mehrheit der Notenbanker Gold als krisensichere Anlage und als Diversifikator des Währungsportfolios.

Dass Gold bei den Zentralbanken hoch im Kurs steht, sei eine Folge der Finanz- und Staatsschuldenkrise zwischen 2008 und 2011, ergänzt Krämer. In Krisenzeiten werde viel über die fehlende Stabilität des Papiergeld-System diskutiert:

„Auch wenn sie keine Rolle spielen sollten, unterstützen hohe Goldreserven die wahrgenommene Stabilität für eine Währung. Für eine Bevölkerung hat es eine beruhigende Wirkung, wenn sie weiß, dass die Zentralbank viel Gold besitzt.“

meint Krämer.

Degussa-Volkswirt Polleit geht noch einen Schritt weiter:

„Das weltweite ungedeckte Papiergeldsystem ist völlig überdehnt.“

Es sei durchaus vorstellbar, dass Banknoten in einer schweren Krise nicht mehr akzeptiert werden.

„Gold dient im Notfall als Zahlungsmittel“,

so Polleit. Das Edelmetall habe Eigenschaften, die keine andere liquide Anlageklasse habe:

„Gold kann nicht durch die elektronische Notenpresse entwertet werden und es trägt kein Zahlungsausfallrisiko.“

2018 haben nur wenige Zentralbanken ihre Gold-Bestände reduziert. Australiens Notenbank verkaufte rund vier Tonnen, die deutsche Bundesbank 3,9 Tonnen.

Die Experten des auf Edelmetalle spezialisierten Analysehauses GFMS gehen davon aus, dass die Gold-Nachfrage vieler Notenbanken auch im kommenden Jahr hoch bleibt. Vor allem Schwellenländer dürften die Goldkäufe nutzen, um die Abhängigkeit vom Dollar und damit die Risiken eines Handelskrieges zu reduzieren. Russlands Präsident Putin dürfte auch weiterhin einer der wichtigsten Spieler auf dem Goldmarkt bleiben.

Trendwende im “perfect storm”

Die aktuelle Situation läutet eine Trendwende für das gelbe Edelmetall ein. Verschiedene Faktoren – im Angelsächsischen ist vom “prefect storm” die Rede – spielen seit einigen Monaten zusammen.

  • Erstens sind sich die Experten einig, dass der rund zehnjährige Aktienzyklus über kurz oder lang zu einem Ende kommt. Das führt unweigerlich zu Umschichtungen in den Portfolios der Anleger, und das Gold gewinnt so wieder an Attraktivität.
  • Zweitens kommt in einer solchen Übergangssituation das Bedürfnis nach mehr Sicherheit ins Spiel. Von Aktien weg tendieren die Investoren hin eher zu stabileren Anlagen als zu riskanteren. Das spricht langfristig ebenfalls fürs gelbe Edelmetall.
  • Drittens hilft die in diesem Jahr erwartete Abschwächung des Dollar grundsätzlich für eine Preissteigerung im Gold. Denn diese beiden Vermögenswerte verhalten sich traditionell gegenläufig.
  • Viertens kommt hinzu, dass das globale Vertrauen in die USA unter der Ägide von Donald Trump eher gesunken ist oder zumindest am sinken ist. Dieser geopolitische Paradigmenwechsel schwächt den Greenback zusätzlich und spricht für Gold.
  • Fünftens dürften Währungskrisen sowie die fortschreitende Verschuldung in vielen Ländern dieser Welt das Interesse an Gold bei Anlegern wieder wecken.
  • Sechstens lässt sich generell von einer “grossen Rotation” sprechen. Viele Institutionen, Branchen und Prozesse befinden sich in einem epochalen Wandel. Die Bankbranche befindet sich in der wohl grössten Selbstfindungsphase ihrer Geschichte, das politische Kräfteverhältnis rückt von West nach Ost, die Technologie ermöglicht neue Lebens- und Arbeitsmodelle, und die Demographie zwingt die Menschen, sich noch verstärkt Gedanken über ihre Altersvorsorge zu machen. Alle diese Entwicklungen sind mit einer enormen Verunsicherung und Überforderung des Einzelnen verbunden – das führt zu grossen Veränderungen und erhöht das Interesse am sicheren Gold.
  • Siebtens wird – im Zuge einer Börsenkrise – der schon lange befürchtete Einbruch der Indexprodukte zu einem Meinungsumschwung bei den Anlegern führen, denn wie wissenschaftliche Studien belegen, würde ein Preiszerfall bei passiv verwalteten Instrumenten einen Crash zusätzlich verstärken.

 

Gold wird auch in nächster Zeit noch grosse Sprünge machen. Fest steht, dass die Vormacht des Dollar am Abnehmen ist.

Gold bedeutet Sicherheit am “Day after” nach einem Systencrash.

Wer etwas zu verlieren hat, für den führt kein Weg an Gold vorbei, wenn er nicht mit dem Kopf gegen die “berühmte heisse Bratwurst” gelaufen ist.

Man darf nur in physisches Gold investieren, nicht in die “heisse Luft von Papiergold”.

Alles mus sicher gelagert werden etwa in der Schweiz oder Hong Kong.

Väterchen Staat darf davon nichts wissen. Im Zweifel spricht er krisengebeutelt – wie das in Krisen fast immer in der Geschichte geschehen ist – ein Goldverbot aus und wird versuchen, zu konfiszieren. Nach Ablauf der Spekulationsfrist von einem Jahr ist der Gewinn des Golddepots steuerfrei. Unser Vorschlag hat demnach absolut nichts mit Steuervermeidung zu tun.

Wir haben ein Modell entwickelt – hier weiterlesen.

Schreiben Sie einen Kommentar