Zehn Jahre Bitcoin – und es geht weiter

Download PDF

Am 31. Oktober 2008 erschien ein Dokument namens

“Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System”

des bis heute unbekannten Autors namens Satoshi Nakamoto.

Die Geburtsstunde des Bitcoin folgte dann tatsächlich im Januar 2009, als Satoshi Nakamoto die ersten Bitcoin auf der Blockchain schuf.

Zehn Jahre später ist Bitcoin in aller Munde. Satoshi Nakamoto repräsentiert die Fantasien einer Revolution des Geld- und Finanzsystems bzw. einer neuen Währung.

Neun von zehn Jahren hatte Bitcoin in Wirklichkeit ein Schattendasein gefristet. Aber 2017 explodierte der Kurs auf knapp USD 20.000, derzeit hat Bitcoin immer noch einer Kurs zum Dollar von mehr als USD 6.000, was beachtlich ist. Wir dürfen nicht vergessen: Im September 2017 betrug der Wert des Bitcoin “nur” USD 3.000 um danach in wenigen Wochen auf knapp USD 20.000 im Dezember zu explodieren. Viel spricht dafür, dass dieser Kurssteigerungs-Wahnsinn einer Manipulation durch das aufgeschreckte althergebrachte Finanzsystem geschuldet ist, um bewusst eine Blase zu erzeugen, die wiederum arglose Menschen in ihrer Gier in die Falle locken sollte. Der kalkulierte und gewollte Verlust dieser Menschen durch die Teilnahme an der völlig irrsinnigen Spekulation sollte den Ruf des Bitcoin schädigen.
Die Medien spielten und spielen dabei weitgehend mit.

Halten wir fest:

  • Im September 2017 stand der Kurs des Bitcoin bei USD 3.000,00.
  • Danach folgte bis Dezember die völlig unnormale Aufblähung auf knapp USD 20.000,00.
  • Es setzte die zu erwartende Normalisierung des Kurses ein, es musste zwingend die “heisse Luft” wieder raus.
  • Aber niemals wieder fiel der Kurs zurück auf USD 3.000,00.
  • Der Kurs des Bitcoin notiert noch immer doppelt so hoch wie im September 2017.

 

Sieht so etwas aus, das im sterben begriffen ist? – Sicher nicht!

Tatsächlich sind Bitcoin und andere Kryptowährungen drauf und dran, ein fester Bestandteil der Finanzwelt zu werden. Bitcoin hat auch das Banking selbst schon heute endgültig verändert.

Was hat sich bis zum zehnten Geburtstag des Bitcoin so alles getan?

1. Bitcoin, der böse unerzogene Rüpel

Während des vorbeschriebenen initiierten Hypes um Bitcoin und seine Preisentwicklung in nur schlappen drei Monaten  waren Top-Banker wie Jamie Dimon, CEO von J.P. Morgan, oder UBS-Präsident Axel Weber auffallend rasch bereit, Bitcoin als Betrug oder wertlos abzutun. Die Bitcoin-Schlagzeilen “Tulpenmanie oder Geldwäscherei” taten der um ihren Ruf kämpfenden traditionellen Finanzbranche gut. Spricht nicht viel dafür, dass das althergebrachte Finanzsystem selbst es war, die die Bitcoin-Blase aufgepumpt hatte?

2. …, gute Blockchain

Dem gebetsmühlenartig wiederholten Spruch von Chefbankern, dass dem Bitcoin nicht zu trauen sei, folgte jeweils jener, dass die Blockchain-Technologie grosses Potenzial fürs Banking biete. Nur: die beiden Dinge lassen sich nicht wirklich trennen. Ohne den Bitcoin als erste bekannte Anwendung hätte sich das Interesse der Banker an der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie nicht so rasch entwickelt.

Inzwischen tüftelt praktisch jede Grossbank an Blockchain-Anwendungen – mit mehr oder weniger Erfolg. Schwerfällige und mit Risiken behaftete Transaktionen wie die Vergabe von Konsortialkrediten, der Handel mit Anleihen und die Ausgabe neuer Aktien sollen dank der Technologie mit hohem Tempo über die Bühne gehen – und nur noch einen Bruchteil kosten. In einer Welt dahinschmelzender Margen und der steten Angst vor der Disruption könnte sich die Blockchain noch als überlebenswichtig fürs Banking herausstellen.

3. Ein geschärftes Bewusstsein für Störungen

Es gibt einen guten Grund, warum Banken den Bitcoin zunächst grundweg ablehnten: Die digitale Währung steht für ein Geld- und Transaktionssystem, welches Banken als Intermediäre oder Vermittler überflüssig macht. Die disruptive Gefahr, welche von den Coins, Token und digitalen Assets als Vermögensklasse ausgeht, ist den Bankern via Bitcoin nochmals deutlich bewusst geworden. Das althergebrachte Finanzsystem hat erkannt, dass da ein Todfeind entstanden war.

4. Schneller Reichtum – nicht zuletzt für Banker selbst

Wer früh dabei war, hat mit Bitcoin Millionen gemacht. Darunter sind nicht zuletzt zahlreiche Banker, die zunächst aus Neugierde, dann aus Überzeugung mit Bitcoin handelten. Diese Banker findet man heute vornehmlich in einem der zahllosen Blockchain- und Krypto-Startups etwa in Zug und Zürich. Gestandene Banker, welche auf die “andere Seite” wechseln, gibt es täglich mehr. Bitcoin ist – stellvertretend für eine völlig neue Token-Economy – ein Versprechen für zukünftige Finanzgeschäfte.

5. Ein neuer Begriff im Banker-Vokabular

Für den nicht greifbaren, bloss in der digitalen Welt existierenden Bitcoin – und andere Kryptowährungen – gebrauchen Banken eine unverdächtigere Terminologie: Der Begriff “Digital Assets” ist heute der Standard-Begriff von Bankern, wenn es eigentlich und in Wirklichkeit um die “Cryptos” geht.

In den rund zehn Jahre nach der Geburt des Bitcoin existieren bereits über 2.000 weitere Kryptowährungen oder auch “Digital Assets”, um den Etikettenschwindel einmal mitzumachen. Dabei handelt es sich nur um die offiziell handelbaren Coins. Welche dieser “Digital Assets” sich letztlich durchzusetzen vermag, weiss heute in Wirklichkeit niemand.

6. Auferstehung des Schweizer Bankings im Rahmen einer Crypto Nation?

Um die Blockchain kommt heute der Bundesrat der Eidgenossen nicht mehr herum, die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) muss sich ebenso mit dem Thema auseinandersetzen wie die Bankiervereinigung und Kantonsregierungen.
Das Ziel all dieser Anstrengungen ist es, eine “Schweizer Crypto Nation” aus der Taufe zu heben, die dem Land neues Kapital zuführt.

Für diese Bemühungen ist der Bitcoin Maskottchen und Treiber zugleich. So ging die Nachricht um die Welt, dass der Kanton Zug für gewisse Dienste auch Bitcoin entgegennimmt. Gleichzeitig befeuerte die letztjährige Hausse der Kryptowährungen den Fintech-Boom in der Schweiz: Mit 18 Neugründungen zeigten dabei die Krypto-Startups im Jahr 2017 das stärkste Wachstum. Die gewaltige Nachfrage nach digitalen Devisen hat die Erstausgaben von Token und Coins (ICO) zum präferierten Mittel zur Finanzierung von Schweizer Fintechs werden lassen. 271 Millionen Franken nahmen die Jungfirmen 2017 damit ein – mehr als über jeden anderen Kanal.

7. Bitcoin-Quiz wird obligatorisch für Bankenchefs

Während in den Sternen steht, ob die viel gelobte Schweizer Crypto Nation tatsächlich auch neue Jobs ins Land holt, hat im Banking das Rennen um mehr Know-how zu Bitcoin & Co längst eingesetzt. Um reichen Kunden digitale Anlagen schmackhaft zu machen oder Firmenkonten für Blockchain-Startups zu eröffnen, braucht es dieses Wissen dringend. Das beginnt bei den Beratern an der Front, geht im rückwärtigen Dienst weiter und macht selbst vor der Führung nicht halt. Kein Banken-CEO kann es sich heute noch erlauben, nicht zu wissen, wie der Bitcoin “funktioniert”. Mit Blick auf die Zukunft wird dieses Know-how wohl immer mehr formalisiert – die Zeit der Amateure ist vorbei. Blockchain-Technologie ist bereits Bestandteil diverser Weiterbildungen im Bankfach. Es dürfte nicht lange dauern, bis die ersten Diplome folgen, die zu neu entstandenen Jobprofilen passen.

8. Potenzielle neue Geschäftsfelder

Das Jahr 2018 und das zehnte Lebensjahr des Bitcoin markieren auch den Wendepunkt in der Wahrnehmung der Banken bezüglich Kryptowährungen:

  1. Inzwischen haben einige Institute begonnen, internes Know-how aufzubauen.
  2. Vereinzelte Privatbanken akzeptieren immerhin schon Gelder von Kunden, die ihr Vermögen mit Kryptowährungen gemacht haben.
  3. Der nächste Schritt, den Banken machen werden: Die Annahme von Kryptowährungen – oder vielmehr: “Digital Assets” – zur Aufbewahrung und Verwaltung.

Die potenziellen neuen Geschäftsmöglichkeiten sind enorm. Die vierte Industrielle Revolution mit der fortschreitenden Digitalisierung ganzer Wirtschaftszweige hat erst begonnen. Digitale Währungen werden zum Allgemeingut. Banken werden sich beeilen, ihre Position als Intermediär zu festigen und neue Ertragsfelder zu erschliessen.

9. Eine neue Chance für den Kundenberater

Der wilde Ritt des Bitcoin hat so manchen Private-Banking-Kunden zum Telefon greifen lassen. Kundenberater sollen erklären, was es mit den mittlerweile zahlreich existierenden Kryptowährungen auf sich hat, was ein Initial Coin Offering ist und ob sich ein Investment lohnt.

Für das Swiss Banking, das sich ja nur noch auf die Beratung von anspruchsvollen Kunden konzentrieren will, ist der Bitcoin darum ein willkommener neuer “Touchpoint” – eine gute Gelegenheit, mit Kunden ins Gespräch zu kommen, Sachkenntnis zu demonstrieren und Rat zu erteilen. Geschäfte in Kryptowährungen machen zurzeit allerdings noch die wenigsten Schweizer Banken.

10. Der neu lancierte Kampf um Finanzzentren

Das Swiss Banking und der Schweizer Finanzplatz haben vom Aufstieg der Kryptowährungen indirekt profitiert – wie auch das asiatische Pendant Singapur. Und beide Finanzplätze bemühen sich, im Standortwettbewerb weitere Krypto-Anbieter anzuziehen.

Tatsächlich hat der Wettbewerb der Finanzplätze durch Bitcoin eine zusätzliche Note erhalten, indem kleinere Orte wie Liechtenstein, Malta oder Gibraltar mit rascheren Regulierungsvorstössen Vorteile erzielen.

Die erste wirkliche Krypto-Bank soll allerdings in der Schweiz entstehen. In einem Land, dass schon lange Teilnehmer am Haager Trustabkommen ist und wo die Steuerverwaltung ihren Banken erlaubt, den Trustee als “wirtschaftlich berechtigte Person” anzuerkennen.
Dämmert am Hintergrund wieder eine Form des “Schweizer Bankgheimnisses” auf?

FAZIT

Bitcoin hat sich in Wirklichkeit durchgesetzt.

Welche Wege der Strom des Bitcoin gehen wird, weiss keiner schlussendlich vorauszusagen. Bitcoin wird viele Nebenflüsse bilden, das lässt sich gar nicht vermeiden zum Verdruss all der staatlichen Regulierungsbürokratien.

Es geht nun primär um Dezentralisierung. Wir wollen uns schliesslich in Sicherheit bringen vor dem maroden krisengefährdeten althergebrachten Finanzsystem.

Wer bereit ist, sich seine eigene Wallet für Kryptowährungen einzurichten, wird wirklich sein eigener Banker und erreicht Anonymität, entzieht sich den freiheitsfeindlichen staatlichen Willkürbestimmungen.

Der nächste Schritt ist, dezentrale Börsen zu nutzen. Damit gibt es dann keine zentralen Server, auf der die Kryptowährungen liegen. Das erschwert den Zugriff durch Behörden in gleichem Maße, wie es unerwünschte Angreifer abhält. Und darin gleichen die dezentralen Börsen auch der Grundstruktur der Bitcoin-Blockchain. Diese ist ebenso darauf ausgerichtet, dass es keinen einzelnen Angriffspunkt gibt – Satoshi Nakamoto bezeichnete Bitcoin als Peer-to-Peer-Netzwerk. Ein Netzwerk also, bei dem einzelne Nutzer direkt miteinander in Verbindung treten.

Leichter gesagt als getan?

Es ist mit Arbeit verbunden. Genau dieser Arbeit stellen wir uns derzeit. Wir sind nicht die Einzigen, die das tun, und das ist gut so.

Seit dem Jahr 2001 arbeitet die Internetkanzlei an der Sicherheit der Menschen vor staatlicher Überwachung und Steuerterrorismus. Da die Welt sich beständig verändert, verändern auch wir flexibel unsere Strategien.

Neue Angebote sind in Arbeit, und sie haben mit Kryptowährungen – “Digital Assets” – und ihrer ebenso diskreten wie sicheren Nutzung zu tun…
…weil wir wissen, dass die Success-Story nach zehn Jahren erst noch richtig Fahrt aufnehmen wird.

ZUM KONTAKTFORMULAR

Schreiben Sie einen Kommentar