Überläufer Grossbritannien

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London schert aus.

Mit einem Empfang ohne jedes kritische Wort gegenüber Chinas Chef Xi Jinping bricht London mit dem westlichen Konsens, in Peking nicht mehr als einen wirtschaftlichen Partner zu sehen. London beginnt, die Seiten zu wechseln – oder besser: Rette sich wer kann!

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping besuchte im Oktober Grossbritannien, wo die Gastgeber an Ehrerbietung und Gastfreundschaft nichts ausgelassen haben.

Kate und Xi

  • Xi wurde in der goldenen Kutsche über die Prachtmeile The Mall gefahren.
  • Chinas Staatschef dinierte mit der königlichen Familie. Er stiess mit Kate, der schönen Herzogin von Cambridge an und speiste mit Königin Elizabeth beim Bankett im Buckingham-Palast.
  • Er trank mit dem Thronfolger Prinz Charles Tee und durfte eine Rede vor der versammelten politischen Elite Grossbritanniens in der Royal Gallery des Westminster-Palasts halten. Er erhielt die seltene Gelegenheit, vor den Vertretern beider Parlamentskammern zu sprechen.
  • Er traf Regierungsvertreter, welche ein “goldenes Zeitalter” in den bilateralen Beziehungen beschwören. Xi traf sich mit Premierminister Cameron in dessen Landsitz Chequers zu Gesprächen über die Weltpolitik.

 

Mit ähnlichen Ehren werden sonst amerikanische Präsidenten empfangen oder allenfalls die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, wenn man sie gerade für europapolitische Zwecke benutzen will.

Herr Cameron leistet perfektes Marketing für China. Die USA werden sich vor Freude nicht mehr einkriegen, was ihr Pudel da anstellt:

Das Hündchen wechselt Herrchen aus.

Bisher herrschte im Westen der unausgesprochene Konsens vor, dass das autoritär regierte China auf keinen Fall mehr als ein wirtschaftlicher Partner sein darf. Diesem China hätte man mit einer gewissen Distanz zu begegnen. Im US-unterwürfigem Deutschland, Chinas wichtigstem Handelspartner in Europa, kam Xi nie ohne Fingerzeig auf die Menschenrechtslage davon. Auch in Washington wurde es Xi nicht gestattet, vor dem Kongress zu sprechen.
Heuchelei als Staatsraison kann man dazu auch sagen. In Wirklichkeit dominiert auch in Deutschland wie in der USA die Geschäftemacherei.

Westminster ist zumindest ehrlich. Wann jemals handelte Albion ethisch hochstehend in der Geschichte? In seiner Zeit als Kolonialmacht etwa? In England betrieb man immer “Balance of Power” und stellte sich nie auf die Seite des kommenden Verlierers bzw. wechselte rechtzeitig die Seiten. Und mit China ist das Wechseln auf die Seite des kommenden Gewinners auch noch sehr lukrativ:

  • Der chinesische Gast unterzeichnete eine Fülle von Handels- und Investitionsabkommen, die nach Angaben des britischen Schatzamts ein Volumen von 30 Milliarden Pfund ausmachen sollen.
  • China soll sich finanziell am umstrittenen Bau der zweiten britischen Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen London, Birmingham, Manchester und Leeds beteiligen.
  • Zudem wurde ein Abkommen unterzeichnet, das die Beteiligung Chinas am Bau des Kernkraftwerks Hinkley Point in Somerset vorsieht. Die Chinesen verhelfen damit den Briten zur seit langem geplanten, aber nur mit Mühen umgesetzten Renaissance der Kernenergie.

 

Die Aussichten, zumindest ausserhalb Asiens zum bedeutendsten

Offshore-Handelsplatz für Chinas Währung

zu werden, sind extrem verlockend. Man stürzt in diesem Fall nicht zusammen mit dem Dollar ab.

  • Runter vom sterbenden Dollar-Zossen,
  • rauf auf den jungen kraftstrotzenden Renmimbi-Hengst.

 

Der Schatzkanzler George Osborne schwärmte schon einen Monat zuvor bei einem offiziellen Besuch Chinas vom

“goldenen Zeitalter der britisch-chinesischen Beziehungen.”

  • Dass man sich damit von der Politik des europäischen Kontinents entfernt? – Na und! – England hatte nie eine europäische Gesinnung, auch da ging es nur ums Geschäft.
  • Die mahnenden Stimmen aus Washington? – Na und! – Das ist doch nur die ehemalige Kolonie, die einem zwar über den Kopf gewachsen war, aber nun wieder auf Normalmass gestutzt wird. Man hat die Demütigung durch Uncle Sam in der Suez Krise nie vergessen. Aufmüpfige ehemalige Untertanen diese Yankees, nichts weiter.

 

Xi Jinping hat in seinem Streben, Chinas Position in der Welt zu stärken, glanzvoll einen Pflock in Europa eingeschlagen – zunächst in London.

Aber auch in Sachen der chinesich initiierten Investitionsbank AIIB sind die Kontinentaleuropäer sehr schnell London hinterhergerannt, um kein Geschäft zu verpassen.

Mit Speck fängt man Mäuse – die USA haben nur noch Chlorhühner anzubieten.

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