Sommer des Schocks

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Sommer des Schocks – Schwarzer Schwan in Sichtweite

Vermögensmanager, Volkswirte und EZB warnen vor heißen Wochen an Europas Börsen. Profis sorgen bereits vor. Und ziehen Milliarden ab.

Panikmache der Internetkanzlei? – Nein, das schrieb am 27. Mai das Handelsblatt.

Wenn der Chefanlagestratege der Bank of America Merrill Lynch, Michael Hartnett, die Fondsprofi-Umfrage seines Hauses mit den Worten kommentiert, Großinvestoren würden einen

„Sommer der Schocks“

erwarten, werden diese Worte sehr ernst genommen. Im Mai wurden für die Umfrage seiner Bank weltweit 205 Fondsanbieter befragt, die insgesamt 619 Milliarden Dollar Vermögen verwalten. Wenig verwunderlich deshalb, dass viele professionelle Großinvestoren hinter den Kulissen bereits dabei sind, sich auf heiße Zeiten einzustellen, indem sie Kapital aus Europa abziehen.

Die Topanleger dieser Welt fürchten sich vor gleich mehreren politischen Großereignissen, die insbesondere die europäischen Börsen bald in Turbulenzen stürzen könnten:

  1. Da kommt die Abstimmung Großbritanniens zum EU-Austritt Ende Juni.
  2. Es wird ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts erwartet, das den Plan der europäischen Währungshüter kippen könnte, im Zweifel unbegrenzt Staatsanleihen kaufen zu können.
  3. Investoren sorgen sich vor dem weiteren Aufstieg politischer Parteien in Europa, die die Sinnfrage stellen hinsichtlich dessen, was die Systemparteien über den Kopf der Menschen hinweg beschliessen; applaudiert nur von der systemhörigen Mainstreampresse.

Hinzu kommt auch noch eine mögliche Zinserhöhung der US-Notenbank Fed, mit der am 15. Juni zu rechnen sein könnte. Aber angesichts der desolaten wirtschaftlichen Lage in den USA könnte eine Zinsanhebung unserer Meinung nach als reine propagandistische  Kosmetik im Nanobereich unbeachtet bleiben.

Selbst die Europäische Zentralbank (EZB) warnt in ihrem jüngsten Finanzmarktstabilitätsbericht vor hohen Risiken, schiebt dabei allerdings wenig überzeugenden Hauptgründen die Verantwortung zu. Es gebe

„hohe Risiken an den Börsen, vor allem weil jüngste Erfolge populistischer Parteien in der Euro-Zone die Anleger verunsichern“.

Wir sehen die wirklich bedrohliche Bombe ganz woanders:

Das Petro-Dollar-System kollabiert und damit die Grundlage des westlichen Finanzsystems, wie wir es nach dem Zusammenbruch von Bretton Woods kannten:

Um die gewaltsame Abwertung des Dollars nach dem Zusammenbruch von Bretton Woods abzufangen und die Vorherrschaft des Dollar zu retten, verhandelte der seinerzeitige Staatssekretär Henry Kissinger mit den Saudis, die exklusive Bezahlung des Öls in Dollar innerhalb der OPEC – und damit in der ganzen Welt – zu sichern. Die Petrodollars waren geboren und die internationale Rolle des Dollar gerettet.
Die US-Währung hat es dadurch geschafft, sich im Zentrum des globalen Währungs-Spiels zu halten. Unter dem System von Bretton Woods basierte das internationale Währungssystem auf zwei soliden und stabilen Säulen:

  • dem Gold und dem Dollar.

Seit 1973 ruht es auf zwei unruhigen Säulen:

  • dem Dollar und dem Öl.

 

Das System war nie stabil, aber es gelang dem Petrodollar, das System bis jetzt zu tragen.
Und nun: Fin de partie!

Saudi-Arabien koppelte bislang seine nationale Währung, den Riyal, an den Dollar, indem es überschüssige Profite nutzte, um damit US-Staatsanleihen zu kaufen, was nichts anderes heißt, als dass Saudi-Arabien die Defizite des US-Haushalts finanziert. Das Petro-Dollarsystem sorgt für große Nachfrage nach Dollar, da Verbraucherstaaten Dollar brauchen, um Öl kaufen zu können.

Saudi-Arabien half bisher auch unmittelbar, den Dollarkurs oben zu halten, da das Land das globale Dollarüberangebot absorbierte.

  • US-Spekulanten wetten nun aber darauf, dass Saudi-Arabien in absehbarer Zeit die Bindung seiner Währung an den Dollar aufgeben und die nationale Währung abwerten wird, weil es Schwierigkeiten hat, seinen öffentlichen Haushalt im Gleichgewicht zu halten, ohne die internationalen Finanzmärkte in Panik zu versetzen.
  • Genau das passiert aber dann, wenn es seine riesigen Währungsreserven dort abladen würde.
  • Dieses Szenario wiederum würde Realität, wenn der Rohölpreis sich auf niedrigem Niveau hält.
  • Das erklärt schlussendlich, warum Goldman Sachs derzeit geradezu panisch versucht, den Ölpreis hochzureden.

 

Internationale Banken wetten gleichwohl zunehmend auf eine Abkoppelung des saudischen Rial vom Dollar-System. Die saudischen Behörden reagieren zunehmend nervös auf die Wetten. Zittern kann auch als Eingeständnis der Richtigkeit der Annahme gewertet werden.

Eine Abkoppelung des Rial vom Dollar hätte weitreichende Folgen.

Ein Bruch in der Anbindung zum Dollar wäre das bedeutendste Auftreten eines sogenannten „Schwarzen Schwans“ in diesem Jahr.

Die Ölpreise könnten daraufhin auf 25 Dollar pro Barrel (159 Liter) fallen. Noch immer nehmen die saudischen Devisenreserven um rund 10 Milliarden Dollar pro Monat ab, obwohl das Land neuerdings Anleihen begibt und Kredite aufnimmt.
Die Zunahme bei den Terminkontrakten internationaler Institutionen verweist auf ein steigendes Misstrauen an den Währungsmärkten hinsichtlich der finanziellen Stabilität Saudi-Arabiens. Die kürzlich erfolgte Ankündigung der Regierung, Vertragspartner statt mit Bargeld künftig auch mit Schuldscheinen zu bezahlen, deutet auf eine akute Kapitalknappheit im Land hin.

Die Regierung in Riad musste im April zum ersten Mal seit 1991 Geld an den internationalen Märkten aufnehmen. Der Schritt markiert aus Sicht von Beobachtern einen vorläufigen Wendepunkt in den Finanzbeziehungen des Königreichs zum Ausland.

Bislang war Riad meistens als Geldgeber statt als -nehmer aufgetreten.

Die Ölpreisentwicklung ist daher das Schlüsselereignis:

Bricht das westliche Finanzsystem kurzfristig zusammen, oder gelingt es, den Ölpreis noch einmal zu revitalisieren, noch einmal etwas Zeit zu gewinnen? Das westliche Finanzsystem liegt auf der Intensivstation, wird nur noch künstlich am Leben erhalten.

Welche Auswirkungen das auf das gesamte Finanzsystem hat, haben wir bereits analysiert, nachzulesen HIER.

Aber wie kann das westliche Finanzsystem noch künstlich beatmet werden?

Wir gehen davon aus, dass es Bestrebungen mächtiger Akteure gibt, den Ölpreismarkt zu manipulieren. Der Markt für Ölderivate ist ein perfekt geeignetes Instrument für die Schaffung künstlicher Nachfrage. Der Kauf von Futures erzeugt zusätzliche Nachfrage; dafür bedarf es lediglich des entsprechenden Auftrages globaler Kunden an die richtigen Finanzinstitutionen.
Ölpreismanipulation ist allerdings nur über eine begrenzte Zeit möglich, denn durch den künstlich hohen Ölpreis entsteht eine Blase.

Wie geht es also weiter?

Momentan gibt es ein massives Überangebot und wachsende Reserven.

Angesichts der Riesenvorräte an Benzin und anderen Ölendprodukten ist davon auszugehen, dass 2016 die Vorräte allenfalls geringfügig abnehmen werden, Reserven also weiterhin hoch sein, vielleicht sogar noch ansteigen werden, was den Ölpreis weiter nach unten drücken sollte.

  • Die iranische Förderung stieg von 2,7 Millionen Fass pro Tag im Jahr 2014 auf heute 3,3 Millionen.
  • Der Irak steigerte seine Förderung im Süden des Landes, während die Kurdenregion im Norden Schwierigkeiten hat, es dem Süden gleich zu tun.
  • Auch Saudi-Arabien, das bereits 10 Millionen Fass pro Tag produzierte, steigerte seine Förderung noch einmal um eine halbe Million Fass. Insgesamt stieg die Ölproduktion der OPEC-Länder um 1,5 Millionen Fass pro Tag.
  • Auch Russland produziert heute etwas mehr.

 

Nach den Einschätzungen von Analysten können die Länder des Mittleren Ostens und Nordafrikas ihre Förderung in den nächsten vier Jahren um weitere vier bis fünf Millionen Fass pro Tag steigern.

Es gibt ein nicht zu unterschätzendes Risiko, dass diese Förderkapazitäten real werden, ohne dass zuvor andere Produzenten kurzfristig in anderen Regionen – also die Fracking Industrie in den USA – ihre Förderung einstellen und sich damit das Angebot verringern würde. Sollte zum gegenwärtigen Zeitpunkt das Angebot um eine weitere halbe Million Fass pro Tag anwachsen, könnte der Ölpreis bis auf USD 10 pro Fass einbrechen.

Damit wäre die Katastrophe des westlichen Finanzsystems perfekt.

Das Angebot wächst also weiter.

2017 könnte jedoch das US-amerikanische Fracking zusammenbrechen:

Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Schieferölquellen und konventionellen Ölquellen. Die Förderdauer ist bei Schieferölquellen nämlich deutlich begrenzter als bei konventionellen Ölquellen. Die Fördermengen gehen unmittelbar nach der ersten Phase der Förderung steil nach unten. Um die Fördermenge auf einem gewissen Niveau zu halten, müssen die Unternehmen ständig und mit hoher Schlagzahl neue Förderstellen erschließen.
Man mus an dieser Stelle die Besonderheiten der Schieferölproduktion kennen, um alles richtig zu verstehen:
Zuerst wird das Loch gebohrt und die Förderstelle aufbereitet, indem die unteren Gesteinsschichten aufgebrochen werden. Die Aufbereitung der Förderstelle wird mit Gerätschaften vorgenommen, die “Rig” genannt wird. Das Rig wird nur in dieser ersten Förderphase verwendet. Ist die Förderstelle aufbereitet und hat die Produktion begonnen, wird das Rig abgebaut, um die Gerätschaften für die Aufbereitung einer anderen Förderstelle zu nutzen. Bis zu diesem Zeitpunkt verliert das Unternehmen mit der Förderstelle Geld;

erst wenn das Öl sprudelt, wird das Geld verdient, mit dem die Schulden zurückbezahlt werden, die für die Aufbereitung der Förderstelle aufgenommen wurden.

Hat die Förderung einmal eingesetzt, kostet die Förderstelle kaum mehr Geld und für wenig Kosten können die Unternehmen die Quelle bis zur völligen Erschöpfung ausbeuten.

Als die Ölpreise 2014 zu sinken begannen, war das Schicksal der Schieferölindustrie besiegelt, obgleich es einigen Unternehmen tatsächlich gelang, die Effizienz zu erhöhen und Kosten zu reduzieren.

Bei genauem Hinsehen entpuppt sich die Lage der Schieferölproduktion in den USA als weit schlimmer, als es bislang publiziert wird. Die Presse verschleiert halt nicht nur Silvestervorgänge in Köln.

Die beiden produktivsten Onshore-Ölstaaten sind Texas und North Dakota.

  • In North Dakota fiel die Zahl der neuen Förderstellen um 70%,
  • in Texas um 80%.

 

Die Banken und Investoren, die bisher die Schieferölproduktion finanziert hatten, erleiden massive Verluste und sind bei den gegenwärtigen Preisen nicht mehr bereit, die Erschließung neuer Förderquellen zu finanzieren. Und es gibt auch keinen Grund anzunehmen, sie würden damit wieder beginnen, sollten sich die Preise ein wenig erholen.
Dennoch zirkulieren in den Medien Gerüchte, die Ölkonzerne würden bei einem leichten Preisanstieg ihre Förderung wieder ausweiten.

Tatsächlich ist die Ölindustrie in einer finanziell so prekären Lage, dass den Unternehmen oft das Geld fehlt, um die Erschließung einer neuen Förderstelle abzuschließen. Analysten glauben, die Unternehmen würden begonnene Erschließungen zu Ende bringen, sobald die Preise nach oben gingen. Das mag ja sein. Das heißt jedoch keinesfalls, dass deshalb ein neuer Schieferölboom einsetzen würde. Da wird “Gustav mit Gasthof verwechselt”.

  • In North Dakota wird die Schieferölproduktion mit Ende des Jahres 2016 am Ende sein,
  • in Texas wahrscheinlich ein paar Monate später.
  • Am Jahresende 2017 wird die US-Schieferölförderung Geschichte sein.

 

Die US-Ölförderung wird zunächst auf 7 Millionen Fass oder weniger zurückgehen. Wenn der Fasspreis 2017 bei USD 41 liegt ist davon auszugehen, dass die US-Ölproduktion noch nicht einmal bei 5 Millionen Fass pro Tag gehalten werden kann.

Der jüngste Ölpreis-Anstieg vermittelte den falschen Eindruck, die Ölkrise läge für das US-Fracking hinter uns.

Viele Ölproduzenten sind aber Bankrott gegangen und die Banken und andere Investoren haben bei der Finanzierung der Ölindustrie riesige Verluste gemacht. Schon 2015 war klar, dass sogar bei einem Fasspreis von 90 Dollar die US-Ölunternehmen nur weiter im Geschäft bleiben könnten, wenn sie noch mehr Schulden aufnähmen oder Unternehmensteile und Vermögen verkauften.

Die Economic Times schrieb am 5. Mai 2016 :

„Der Zusammenbruch der Ölpreise wird zu einer der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der amerikanischen Unternehmen führen. In dieser Woche beantragte die Midstates Petroleum und Ultra Petroleum Insolvenz. Damit sind bis heute 59 Öl- und Gasunternehmen in Konkurs gegangen. Die Zahl der Insolvenzen im Energiesektor kommt den erschreckenden Zahlen von 68 Unternehmensinsolvenzen im Bereich Telekommunikation in den Crashjahren 2002 und 2003 schon sehr nahe.“

Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für die Annahme, die US- Banken oder andere Investoren wären bereit, neue Kredite zu geben, wenn der Ölpreis bei der Hälfte seines Niveaus der Jahre 2011 bis 2013 verharrt. Viele große Namen des US-Finanzsektors wie Kohlberg Kravis Roberts und Carl Icahn erlitten durch die Finanzierung der Ölindustrie massive Verluste. Wahrscheinlich ist es richtig: Die Schieferölproduzenten sind viel effizienter geworden und die Technik hat sich verbessert. Jedoch sind die niedrig hängenden Früchte bereits abgeerntet. Konkret: Neue Bohrmöglichkeiten am Rande der großen Vorkommen sind weit weniger profitabel. Das finanziert kaum einer mehr, das ist ein deutlich zu hohes Risiko.

Fazit:

Zurzeit sind zwei gegenläufige Trends zu beobachten,

  1. nämlich der unmittelbar bevorstehende vollständige Zusammenbruch der US-Schieferölproduktion
  2. bei gleichzeitiger massiver Überproduktion.

Die Riesenmengen Öl, die gegenwärtig den Markt überschwemmen, bringen das Risiko eines weiteren Ölpreiszusammenbruchs noch in diesem Jahr 2016.

Nach dem endgültigen Ende der Schieferölproduktion Ende 2017 kann es dann zu erheblichen Preisanstiegen kommen – aber wie sieht die Welt bis dahin aus? Das kann zu spät sein

Das globale Wachstum ist gegenwärtig  enttäuschend und führt zu einer geringen Nachfrage nach Öl.

Es besteht eine nicht zu unterschätzende Gefahr des Zusammenbruchs des Petro-Dollarsystems.

Was noch hinzukommt:

Auch China legt seine Währungsreserven nicht mehr in US-Staatsanleihen an. Peking hat aufgehört, die US-Wirtschaft auf Pump zu finanzieren und benutzt das Geld für eigene Projekte.

Vermögenswerte sind folgerichtig zu diversifizieren. Die USA sind zu meiden. Der Euro hängt zu sehr mit dem Dollar zusammen, Teile des Vermögens sollten deshalb sicherheitshalber aus Europa raus verlagert werden.

Das ist nicht strafbar. Man muss ja sein Offshorekonto gar nicht verschweigen, wenn man das nicht will.

Die Gefahr jedenfalls ist akut. Es besteht Handlungsbedarf.

Diese Vorteile bietet das Offshore-Bankkonto.

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