Risiken im Finanzsystem

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Die Stabilität des Weltfinanzsystems wird in erster Linie und vor allem durch die immer noch

  1. viel zu hohen Schuldenberge,
  2. die anhaltenden Niedrigzinsen,
  3. die Trends zu Schattenbanken,
  4. und automatisierte Handelssysteme

bedroht.

Wenn einer dieser Brandherde explodiert, ist es unwahrscheinlich, dass eine Rettungsaktion wie seinerzeit zu Lehmans Zeiten gelingen würde. Warum nicht?

Die Lehren von damals will heute kaum noch ein wichtiger US-Politiker hören.

Die Mittel zur Rettung sind gegenüber 2008 deutlich limitiert.

Die Nachfolger von Paulson, Bernanke und Geithner werden sich nicht mit einer Rettungsaktion die Finger schmutzig machen wollen. Zur Erinnerung: Paulson war damals Finanzminister der USA, Bernanke Chef der US-Notenbank Federal Reserve und Geithner Leiter der für die Wall Street zuständigen regionalen Notenbank in New York.

Bernanke, Paulson und Geithner haben den Kampf gegen das Chaos gewonnen. Viel Ruhm haben sie dafür nicht geerntet. Weltweit überwiegt der Eindruck, dass die

“Zocker von der Wall Street” auf Kosten der Bürger rausgepaukt

wurden.

Um zu verhindern, dass Ähnliches noch einmal passiert, wurden von der US-Politik sogar die rechtlichen Mittel der Fed beschnitten, in künftigen Krisen als Retter einzuschreiten.

„Es gibt jetzt weniger Eingriffsmöglichkeiten als vor der Krise“,

sagt Geithner.

  • In der nächsten Krise kann die Fed kein einzelnes Geldhaus mehr retten, wie etwa 2008 die AIG.
  • Sie darf nach dem Willen der Gesetzgeber nur noch allgemeine Finanzierungsangebote machen.

 

Bernanke hat das einmal mit der Logik verglichen,

die Feuerwehr abzuschaffen, um die Welt gegen Brände zu schützen.

Die Welt stand 2008 noch näher am finanziellen Kurzschluss, als der breiten Öffentlichkeit bekannt war. Ein weltweit agierender Versicherer erwog zeitweise sogar,

massenhaft Gold zu kaufen und an einem geheimen Ort zu vergraben,

um nicht ganz mittellos dazustehen, falls sich das Finanzsystem in Luft auflöst.

Diesseits wie jenseits des Atlantiks bläst denjenigen, die damals eingegriffen haben, ein eisiger Wind ins Gesicht. Wer wird angesichts dessen in einer künftigen Krise noch bereit sein, zu handeln und dabei auch Fehler zu riskieren? Jamie Dimon, Chef der größten US-Bank JP Morgan Chase, hat auf die Frage, ob er Übernahmen wie in der Krise vor zehn Jahren noch einmal wagen würde, mit einem klaren

Nein

geantwortet.

„Wir wissen nicht, wann die nächste Krise kommen wird und was sie auslöst“,

sagt Ex-Finanzminister Paulson,

aber er ist überzeugt, dass es wieder passieren wird.

Ja, es gibt zwischenzeitlich neue Mechanismen, angeschlagene Geldhäuser abzuwickeln, ohne dafür staatliches Geld einzusetzen. Aber Experten wie Neel Kashkari (ein ehemaliger Goldman-Sachs-Banker und heute Chef der regionalen Fed in Minneapolis) gehen davon aus, dass viele der neuen Sicherungen nur halten, solange es um

  • isolierte Probleme einzelner Banken geht,

 

aber

 

  • nicht in einer Systemkrise.

 

Und diese deutet sich nun tagtäglich – Mosaiksteinchen zu Mosaiksteinchen – an.

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