Mein Vermögen in der Krise

Download PDF

Was kommt auf uns zu?

Nein, an welchem Tag ganz konkret was zusammenbricht, und was dann zu tun ist – das wissen wir in diesem Augenblick auch nicht.

Aber die Sachlage kennen wir. Die ist bedrohlich.

Zwei Szenarien sind denkbar:

1.

Alles gerät ausser Kontrolle. Es erfolgt ein Systemkollaps.

Das ist nicht ausgeschlossen. Die Häufung der unterschiedlichsten Krisen in diesen Tagen macht einen Kontrollverlust der Regierungen alles andere als undenkbar.

In diesem Fall muss man Vermögenswerte dort aufbewahren, also in Ländern, in denen es unwahrscheinlich ist, dass der Systemkollaps zur Vernichtung der Vermögenswerte führt. Länder in Europa scheiden als Lösungsansatz aus, sieht man einmal von der Schweiz ab. Die USA stellen schon gar keine Alternative dar.

Wer absolut kein Risiko eingehen will, sollte physisches Gold sicher einlagern.
Auch immobilien bieten Sicherheit. Aber Immobilien sind halt immer gefährdet von den Unwägbarkeiten der Politik des Landes, in dem die Immobilie belegen ist. Man kann sie nicht wie physisches Gold – besonders geschickt in Form eines per Indossament einfach zu übertragenden Schweizer Orderlagerscheines – einfach in ein anderes Land verbringen.

2.

Die Regierungen mit den Zentralbanken der westlichen Industrienationen versuchen zu überleben, in dem sie den totalen Systemkollaps verhindern oder zumindest aufschieben; sie verlieren nicht völlig die Kontrolle über das Geschehen.

Um dieses Ziel zu erreichen:

Was können sie tun – was werden sie tun?

Mit dieser Frage befassen wir uns nachfolgend eingehend, um dann zu prüfen, wie man in diesem Szenario sein Vermögen am besten schützt.

Die Handlungsalternativen der westlichen Regierungen & Notenbanken

GROSSES WIRTSCHAFTSWACHSTUM FORCIEREN

Das dürfte kaum gelingen. Seit Jahrzehnten liegt das Hoch des erreichten Wirtschaftswachstums immer unter dem des vorhergegangenen Jahrzehnts. Die Märkte sind zu sehr gesättigt. Ein Wirtschaftswachstum zu erreichen, dass die grundlegenden Probleme beseitigt, ist Illusion.

INNOVATIONEN FORCIEREN

3D Drucker und neuartige Antriebstechniken sind nicht genug, um wirklich Innovationsschübe der benötigten Grössenordnung auslösen zu können.

EINMALIGE SONDERBESTEUERUNG DER REICHEN

Es gibt eine entsprechende Studie der Boston Consulting Group.

Danach müssten 11% des privaten Finanzvermögens einkassiert werden, um die Verschuldung des Staates, der Unternehmen und der privaten Haushalte auf 60% zu begrenzen.

Es ist wenig wahrscheinlich dass das Karlsruher Bundesverfassungsgericht das durchgehen liesse. Und wie das faktisch umgesetzt werden sollte, dass die benötigte Vermögensmasse von “rechts nach links” fliesst und immer genau an die Stellen, wo es hin soll, ist schlicht nicht vorstellbar.

ERKLÄRUNG DES STAATSBANKROTTES

Welcher Politiker möchte in die Geschichte eingehen als Person, die den Staatsbankrott erklärt hat?

Über einen “Global Currency Reset” wird zwar immer wieder spekuliert. Es käme in diesem Fall zu einer weltweiten Währungsreform. Staatsanleihen wären danach nichts mehr wert (der Staat also schuldenfrei) und Bankeinlagen dramatisch weniger als heute.

Würde derartiges geschehen, hätten Politiker und Zentralbanken völlig die Kontrolle verloren. Natürlich kann das passieren. Man stelle sich vor, der Dollar bricht zusammen, China mit seinen zwischenzeitlichen neuen Finanzstrukturen und dem Yuan übernimmt die Kontrolle.

Aber zumindest die europäischen Länder haben längst ihre Finger auch in den neuen chinesischen Finanzstrukturen zum Ärger der USA. So ist der geschäftsführende Vizepräsident der AIIB (Asiatische Infrastruktur Investitionsbank, direkter Konkurrent der Weltbank) der Deutsche Joachim von Amsberg. Er war zuvor der deutsche Vertreter ausgerechnet bei der Weltbank. Man fährt also schon mit “Ersatzrad im Kofferraum”.

Nochmals: Eine Währungsreform ist möglich, es gab schliesslich schon hinreichend viele in der Geschichte, wie nicht zuletzt Deutschland weiss. Aber wir glauben jedenfalls in absehbarer Zukunft nicht wirklich daran.

NUTZUNG DER DEFLATION

In dieser Situation gewinnen die Schulden der Schuldner an Kaufkraft. Viele Kreditnehmer könnten dann die an Kaufkraft gewinnenden Schulden bei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fallenden Vermögenspreisen (Immobilien, Aktien) und steigender Arbeitslosigkeit nicht mehr bedienen. Die
Schuldner, was auch Staaten wären, würden dann in Konkurs gehen. Die Schulden wären weg. Aber um welchen Preis?

Politik und Notenbanken werden folgerichtig alles tun, um eine Deflation abzuwenden.

Es ist wahrscheinlich, dass die Druckerpresse um so schneller läuft, je höher die Angst vor der Depression ist.

Wir sind uns nicht sicher, ob das wirklich gelingt. Aber wahrscheinlich ist das Entfachen dieses Strohfeuers zur Deflationsabwehr schon. Ob es länger am brennen gehalten werden kann wie trockenes Stroh, wird sich erweisen.

LÖSUNG DER SCHULDENKRISE DURCH INFLATION

„Deflation und Inflation sind nur zwei Fremdworte für Pleite“,

sagte einst Bankier Fürstenberg.

Ja, das Ergebnis bei der Inflation ist nicht so völlig anders als bei der Deflation. Entweder verschwinden die Forderungen der Gläubiger durch Geldentwertung oder durch den Konkurs der Schuldner.

Politiker suchen immer den einfacheren Weg, den Weg, den sie ihren Wählern am einfachsten vermittel können. Und Inflation lässt sich bei der breiten Masse schlicht weitaus besser verkaufen. Zunächst merkt man sie nicht. Dann lebt es sich anfangs recht gut mit der Inflation. Die Menschen fühlen sich in dieser Phase reicher.

Die EZB hat die Weichen bereits in diese Position gestellt. Die Verschuldung der privaten Haushalte hat längst wieder Fahrt aufgenommen.

Die Notenbanken können nicht wirklich beherrschen, wie hoch die Inflation exakt
ausfällt. Heftige Ausschläge sowohl nach unten wie nach oben sind denkbar. Angesichts der gigantischen Geldmengenaufblähungen im Verhältnis zur Wirtschaftskraft und einer noch rekordniedrigen Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist ein deutliches Überschießen nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich. Wenn es den Notenbanken gelingt, die Geldentwertung anzufachen, so wird es verdammt schwer, diese zu begrenzen, zu beherrschen. Wir denken an den Zauberlehrling.

Gleichwohl: Das Weginflationieren von Schulden ist für Politik und Notenbanken der einfachste und angenehmste Ausweg.

Wenn die Notenbanken dafür sorgen, dass die Inflation oberhalb der Bankeinlagen und Spareinlagenzinsen liegt, kann eine allmähliche Entschuldung einsetzen. Mit zunehmendem Erfolg der Inflationierung durch die Notenbanken steigt jedoch die Notwendigkeit der Unterbindung der Kapitalflucht ins Ausland.

Also werden – zwingend – Repressionen eingeführt werden, “finanzielle Repressionen” in erster Linie, um konkret zu werden.

Beispiele aus der Geschichte gefällig?

  • 1933 wurde in den USA ein Maximalzins für Bankguthaben festgesetzt, wobei die Verzinsung von Sichteinlagen verboten war. Die Banken sollten sich untereinander keine Konkurrenz machen durch steigende Zinsversprechen an die Kunden als Inflationsausgleich. Erst 1980 wurde mit dem Depository Institutions Deregulation and Monetary Control Act eine stufenweise Aufhebung der Höchstzinsgrenzen bis zum 31. März 1986 eingeleitet. Repressionen haben eine lange Lebensdauer.
  • Zwischen 1942 und 1951 gab es in den USA eine Deckelung der Rendite langlaufender US-Staatsanleihen auf 2,5%. US- Staatsanleihenbesitzer erlitten einen großen realen Kaufkraftverlust durch die Inflation zugunsten der damit einhergehenden Entschuldung des Landes.
  • Es gab natürlich strikte Auflagen, um Geld ins Ausland zu schaffen. Niemand sollte vor den niedrigen Zinsen der Bankeinlagen und Staatsanleihen fliehen können.
  • Der Höchstzins für Bankeinlagen wie die der langlaufenden US-Staatsanleihen lag 1947, als die Inflation in der Spitze über 20% betrug, bei höchstens 2,5%.

 

Das Ziel der Entschuldung der USA wurde jedenfalls mit den Zinsobergrenzen in Verbindung mit den strikten Auflagen dagegen, sein Geld ins Ausland zu schaffen, erreicht. Die Staatsschulden lagen durch die Finanzierung des 2. Weltkrieges im Jahr

  • 1946 bei 118,7%,
  • 1952 bei 72%,
  • 1955 bei 67%,
  • 1960 bei 53%.

 

Niedrige Verzinsung in Verbindung mit Kapitalverkehrskontrollen führen zur Entschuldung des Staates zu Lasten seiner Bürger.

Sind die Kapitalverkehrskontrollen erst einmal eingeführt, ist das Vermögen gefangen und wird systematisch entwertet zum Zwecke der Schuldenreduzierung des Staates.

Es ist also zwingend, Vermögenswerte dadurch zu schützen, dass man Teile davon rechtzeitig ins sichere Ausland bringt.

Das hat nichts mit Steuerhinterziehung zu tun, das ist reine Selbstverteidigung.

Schreiben Sie einen Kommentar