KPMG & Bitcoin

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“Krypto-Assets können die Finanzinfrastruktur mithilfe der tokenisierten Wirtschaft erheblich verändern.“

Mit diesem Ausblick leiten die Autoren Kiran Nagaraj und Sal Ternullo ihren Betrachtungsschwerpunkt, die Tokenisierung der Wirtschaft, ein.

Worum geht es? Wer sind diese Autoren überhaupt?

Sie gehören zu niemand geringerem als zur KPMG.

KPMG, der renommierte niederländische Wirtschaftsprüfer, der zu den “Big Four” gerechnet wird, veröffentlichte am 15. November 2018 einen Bericht dieser Fachleute, der optimistische Argumente für Kryptowährungen aufzeigt.

Der Bericht mit dem Titel

“Institutionalisierung von Kryptoanlagen”
(“Institutionalization of Cryptoassets”)

ist 42 Seiten lang und befasst sich ausführlich mit den wichtigsten Herausforderungen, mit denen Krypto-Währungen konfrontiert sind, und warum digitale Assets eine Kraft sind, mit der man unverändert rechnen muss.

Betrachtet wird nicht zuletzt die Institutionalisierung von Krypto-Assets und wie und warum Institutionen in die sehr lukrative Anlageklasse Krypto-Währung eintreten werden.

Der KPMG-Bericht beginnt mit einem bullischen

“Krypto-Assets sind eine große Sache!”

Es wird erläutert, welche parabolischen Anstiege die Kryptowährungen im Jahr 2017 hatten und wie sie die traditionellen Anlagemärkte in den Schatten stellten.

KPMG beschönigt nicht den Abwärtstrend, den wir im Jahr 2018 erlebt haben. KPMG stellt allerdings klar, dass dies weniger wichtig ist als die Welle von Neueinsteigern in die Kryptowelt und die “Explosion” wirklich funktionaler Krypto-Produkte und -Dienstleistungen, die es in allerjüngster Zeit gegeben hat.

Ein weiterer Abschnitt des Berichts wird von Jeff Horowitz, dem Chief Compliance Officer bei “Coinbase”, und Eric Scro, dem Vice President of Finance bei “Coinbase”, verfasst. Diese beiden Männer sind bekanntermassen erfahren in Bezug auf die Kryptowährungsbranche und verstehen die Bedeutung der Institutionalisierung für den zukünftigen Erfolg von Kryptowährungen.

Die Coinbase Führungskräfte erläutern am Beispiel Argentiniens die grundlegende Bedeutung von Kryptowährungen in weniger entwickelten Ländern:

“Nehmen wir das Beispiel Argentinien, wo sie derzeit eine Hyperinflation sehen. Ein global zugänglicher, dezentraler Wertspeicher könnte sich deutlich stabilisierend auf die Wirtschaft des Landes auswirken. Bitcoin könnte in Zukunft einen solchen Wertspeicher darstellen.”

Man muss demnach über den Tellerrand Europas hinausschauen – und vielleicht nicht einmal das, wenn man sich vergegenwärtigt, was beispielsweise von Italien aus dem Eurosystem droht

Die Autoren führen klar aus, die Tokenisierung habe das Potenzial, alle Bereiche der Finanztransaktionen effizienter zu machen. Exemplarisch wird auf den tokenbasierten Handel mit Immobilien verwiesen. Unternehmen wie Brickblock aus Berlin könnten in Zukunft dafür sorgen, dass der Zugang zum Immobilienmarkt einer breiteren Bevölkerung ermöglicht wird, da eine Tokenisierung von Immobilienwerten kleinere Splits des Vermögenswertes zulässt. Dies sorgt dafür, dass sich Investoren auch anteilig am Kauf einer Immobilie beteiligen können. Die Token sorgen sodann für eine fälschungssichere Zuordnung der Besitzansprüche der Investoren.

Allerdings, so der Bericht, stehen wir noch am Anfang dieser Entwicklung:

„Die tokenisierte Wirtschaft wird wahrscheinlich eine der wirkungsvolleren Innovationen sein, die Krypto ermöglicht. Die Anpassung des Marktes ist eine Reise, und Krypto-Assets befinden sich in vielversprechenden, aber meist frühen Phasen dieser Reise.“

Der nächste Anwendungsfall, den die Autoren beleuchten, sind grenzüberschreitende Zahlungen.

Die polemische Frage:

“Wieso ist es im 21. Jahrhundert immer noch schneller, 10.000 US-Dollar in bar eigenständig per Flugzeug zu transportieren als die traditionellen Überweisungswege, wie beispielsweise SWIFT, zu nutzen?”

Von perfekter Funktion des bestehenden Finanzsystems kann daher in Wirklichkeit wohl nicht gesprochen werden. Die Vertreter des althergebrachten Finanzsystems sollten sich besser jeder Überheblichkeit Bitcoin gegenüber enthalten.

Damit Bitcoin eines seiner großen Nutzenversprechen – die finanzielle Inklusion – erfüllen kann, muss sich die Kryptowährung natürlich zunächst als Wertaufbewahrungsmittel etablieren.

Das Potenzial Bitcoins als Wertspeicher offenbart sich den Autoren zufolge derzeit noch nicht am Beispiel des Euro, sondern eher bei der Betrachtung von dysfunktionalen Währungen wie dem Argentinischen Peso. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass derzeit als zuverlässig geltende Währungen den Status der Zuverlässigkeit recht schnell verlassen könnten.

Die Autoren vermerken ferner, dass Bitcoin derzeit zwar volatil ist; allerdings sei die Volatilität mitnichten in Stein gemeißelt. Im Gegenteil:

Da das Angebot algorithmisch festgelegt ist, lässt sich das Geldmengenwachstum bis ins Jahr 2140 vorhersagen. Es sei – bei einer breiteren Adaption – eine abnehmende Volatilität zu erwarten; und ganz bestimmt nicht erst nach diesen 120 Jahren, sondern recht schnell, wenn die Erkenntnis der dem Bitcoin innewohnenden natürlichen Stabilität allgemein begriffen wird.

“Coinbase” glaubt an die Festsetzung von Krypto-Assets am Markt nach den folgenden drei Phasen:

  1. Investment/Spekulation (in dieser Phase befinden wir uns aktuell),
  2. Institutionalisierung,
  3. Nutzung.

Das bedeutet, die nächste Phase, in die der Krypto-Markt eintritt, ist die Phase der Professionalisierung / Institutionalisierung. Wann das sein wird, lässt der Bericht offen.

Notwendig sei aber allen voran die Schaffung einer soliden Infrastruktur für Großinvestoren. Bisher dominiere das sogenannte Retail Investment, also Krypto-Investments über die klassischen Exchanges wie Binance und Coinbase. Damit sich das ändert, braucht es ganz neue Ansätze wie beispielsweise den schliesslich sogar bereits existierenden Krypto-Trading-Desk von “Fidelity”.

Wenn das erfolgt ist, könnte sich der Wert stabilisieren und die nächste Phase beginnen. Dann entfalten Kryptowährungen wie Bitcoin ihren Nutzen im Alltag von Herrn und Frau Jedermann.

Sicherheit

Die Autoren verifizieren eine Vielzahl von Angriffsmöglichkeiten. Exemplarisch werden fünf genannt:

  • Phishing-Angriffe
  • DDOS-Attacken
  • Server-Versagen
  • Software-Schwächen
  • schlechtes Wallet-Management

 

Zwar sind dies dem Bericht zufolge keine neuen und exklusiv auf Krypto bezogenen Angriffsvektoren. Das marado Bankensystem mit seinen veralteten Techniken ist dem allem ebenso ausgeliefert.

Die Höhe der eingesetzten Vermögenswerte macht eine bestmögliche Sicherheitsinfrastruktur notwendig. Daher hebt der Bericht die Vorteile einer Lagerung von Krypto-Assets im Cold Storage hervor:

„Hot-Storage-Einrichtungen bieten mehr Liquidität, sind aber auch anfälliger für Hacking. Cold-Storage-Einrichtungen sind die am wenigsten liquiden, aber sicherer.“

Hier tut sich derzeit jedoch viel. Die professionellen Krypto-Entwickler haben das Jahr 2018 teilweise mustergültig gearbeitet und interessante Strukturen geschaffen, die sich positiv in Sachen Sicherheit auswirken werden.

Das große Ganze

Zu guter Letzt wirft der Bericht einen Blick auf die monetären Eigenschaften von Bitcoin.

KPMG-Chefökonomin Constance Hunter sieht in Kryptowährungen ein spannendes, ökonomisches Echtzeit-Experiment. Dabei repliziert sie zunächst die klassischen Geldfunktionen:

  1. Wertspeicher,
  2. Recheneinheit,
  3. Tauschmittel.

Diese sieht sie zwar aufgrund von hoher Volatilität und eher noch geringer Akzeptanz bisher nur eingeschränkt erfüllt. Das könnte sich aber schnell ändern.

Insbesondere für wirtschaftlich unterentwickelte Staaten sieht auch diese Autorin großes Potenzial für Kryptowährungen wie Bitcoin. Wenn ein Token ausreichend Momentum erlangt, könnte dieser zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für die staatliche Währung heranreifen.

„Wenn eine Kryptowährung mit stabilem Wert einfacher und kostengünstiger zu handeln ist als eine von der Regierung ausgegebene Fiatwährung, könnte es sich um eine Innovation handeln, die im globalen Finanzsystem allgegenwärtig wird.“

Damit dies eintritt, müsse das Vertrauen in Bitcoin & Co. indes wachsen. Denn ohne Vertrauen gibt es keine stabile Währung. Diese Weisheit ist so alt wie Geld selbst und gilt jetzt mehr denn je.

Fazit

KPMG steht dem Themenkomplex Krypto-Assets auch in der gegenwärtigen Phase durchaus aufgeschlossen gegenüber. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft scheint die Entwicklung im Krypto-Ökosystem also nicht verschlafen zu wollen, dies wird in dem Bericht deutlich.

Allerdings konstatiert auch KPMG:

Wir befinden uns noch ganz am Anfang. Aber:

“Der frühe Vogel frisst den Wurm”

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