Hans Werner Sinn

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Der verbliebene unabhängige Denker

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Finanzminister Wolfgang Schäuble nennt ihn intern „Professor Unsinn, Angela Merkel hat den Kontakt abgebrochen mit der Person, die früher gern gesehener Gast im Kanzleramt war.

Es geht um Hans Werner Sinn, den Chef des renommierten Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München, Bogenhausen. Mehr als 200 Ökonomen haben einen von ihm mitgetragenen Aufruf gegen die Beschlüsse des EU-Gipfels vom Juli 2012 unterzeichnet. Neun Billionen (!) Euro Schulden müßten die Deutschen absichern, heißt es darin. Geholfen werde „vor allem der Wall Street, der City of London und einer Reihe maroder ausländischer Banken“. Das Establishment ist erzürnt.

In den neunziger Jahren veröffentlichte Hans Werner Sinn zusammen mit seiner Frau Gerlinde – ebenfalls Ökonomin – das Buch Kaltstart. Sie argumentieren, dass die schnelle Angleichung der Löhne nach der Wiedervereinigung die Wirtschaft im Osten ruinieren würde. Damals hat den Professor aus München mit seinen Zahlen in der Politik kaum jemand ernst genommen. Heute sagen alle, dass es genau so gekommen sei, wie Sinn und seine Frau es beschrieben hätten.

Das „Handelsblatt“ urteilt:

„Sinn ist einer der wenigen Experten seines Kalibers, die wirklich zuhören. Er fragt nach, will Gründe hören, wägt sie ab. Meistens legt er dann den Kopf etwas schief und stützt ihn mit seiner linken Hand. Man meint, beobachten zu können, wie er die Argumente durch die ökonomischen Gleichungssysteme jagt, die in seinem Gehirn abgespeichert sind. Es kann sehr anregend sein, sich mit Hans-Werner Sinn zu unterhalten.“

Er sei nicht gegen Europa, nicht einmal gegen die Vereinigten Staaten von Europa. Aber einfach weitermachen wie bisher nütze niemandem. Auch den Griechen nicht.

Hans Werner Sinn ist einer der wenigen verbliebenen unabhängigen Denker. Er läßt sich in keine Schablone pressen.

  • Sinn war für die Agenda 2010,
  • kritisierte aber früh die Abhängigkeit Deutschlands vom Export.
  • Er ist gegen die Energiewende,
  • aber für eine strenge Regulierung der Banken.
  • Als er sich für niedrige Löhne einsetzte, war er Dauergast bei den Wirtschaftsverbänden. 
  • Neuerdings stimmt ihm Sahra Wagenknecht von der Linkspartei häufig zu, weil er gegen die Rettung der Banken ist.

Sinn sagt dazu, er sei weder rechts noch links. Sein „Bezugssystem“ sei die Volkswirtschaftslehre. Er meint das ernst. Sinn glaubt fest daran,

  1. daß die bisherige Rettungsstrategie Europa in eine große Katastrophe zu stürzen droht.
  2. Er glaubt, daß Deutschland in Brüssel über den Tisch gezogen wird, weil die Südländer in der Mehrheit sind und ihre Interessen aggressiv vertreten.
  3. Und er glaubt, daß von den Hilfsgeldern in Wahrheit vor allem die internationalen Investoren profitieren, die kritische Ökonomen mithilfe der angelsächsischen Presse „verteufeln“.

Wir freuen uns schon auf Hans Werner Sinns neues Buch, daß im Herbst erscheinen wird.


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