Fundamentale Umbrüche im Finanzsystem

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Wir leben in einer Zeit in der es absehbar ist, sich recht bald von althergebrachten Bankpartnern gänzlich lösen zu können – ja zu müssen. Wer nicht auf dem Abstellgleis versauern will, wird den neuen Zug der Zeit besteigen müssen. Darauf sollte man sich nun allmählich einstellen.

Die jetzt an ihre Grenzen stossende Finanzelite lebte von abgesicherten Strukturen verbunden mit ihnen dienenden Regulierungen als funktionierende Schutzwälle. Die hohen regulatorischen Lizenz-Anforderungen schützten die Etablierten durch für Neulinge mit hohen Kosten verbundenen Verpflichtungen, womit diese als Eintrittsbarrieren zu Gunsten dieser Finanzelite fungierten.

Gleichwohl beobachten wir ein Anwachsen von Druck durch modernere Bankdienstleister wie N26 oder Revolut, die dem altbackenen Bankensystem das klassische Kundengeschäft mehr und mehr streitig machen.

Aber nun wächst noch eine Konkurrenz ganz anderen Kalibers heran.

Die Datenkraken von “Google & Co.” sind den klassischen Banken bei Angeboten für Finanzdienstleistungen überlegen, wenn es um Fragen geht wie:

  • Welcher Risikotyp respektive Anlegertyp stellt der potentielle Kunde dar?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt, um dem Kunden einen Bausparvertrag anzubieten?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt, um dem Kunden eine Lebensversicherung anzubieten?
  • Wie sollte das Finanzprodukt auf den algorithmisierten speziellen Kunden in diesem Einzelfall ganz konkret ausgestaltet sein?

 

Selbst Investmentbanken wie Goldman Sachs oder J.P. Morgan haben langfristig kaum eine Chance im Investmentbanking, wenn Google seine eigenen Finanzalgorithmen entwickelt und mit den gesammelten Daten füttert. Mit dieser neuartigen Finanzmarktfokussierung werden diese großen Datenkraken ihr Wissen dergestalt zielsicher im Finanzsystem einsetzen.

Allein das führt zum klassischen Knockout des bestehenden Banken- und Finanzsystems. Gegen die Datenhoheit und verbunden mit daraus folgender höherer Nutzerfreundlichkeit der Silicon-Valley-Finanzangebote stehen die Banken auf verlorenem Posten. Ihr Einfluss schrumpft und sie mutieren zu kleinen Dienstleistern.

Die tatsächliche Wertschöpfung im Finanzsektor wird auf die großen Plattformunternehmen kanalisiert. Das klassische Kredit- und Einlagengeschäft wird Stück für Stück von Digitalunternehmen übernommen.

Wie sich schon heute abzeichnet, konzentrieren die vorgenannten Digitalkonzerne sich immer mehr auf Blockchain-Projekte.

So plant beispielsweise Facebook einen eigenen Stable Coin.

Damit korrespondierend fokussieren sich die Internetgiganten auffallend stark auf das Messenger-Geschäft, um etwa Finanztransaktionen noch bequemer für den Endnutzer zu machen. Diese Entwicklung lässt sich beispielsweise bei “Telegram” beobachten.

Da lockt die grosse Chance, nicht mehr auf langsame und viel zu teure Abwicklungssysteme wie SWIFT angewiesen zu sein verbunden mit den kostensteigernden und eigentlich blödsinnigen Korrespondenzbanken. Man macht sich frei von Bankkontonummern sowie sonstigen Clearingstellen. Damit lockt gleichzeitig eine höhere Marge.

Und drücken wir es klar aus: “Google & Co.” lockt die Aussicht auf mehr Freiheiten und eigene Kontrolle im B2C- sowie B2B-Kundengeschäft. Denn mit Hilfe eigener Finanztransaktionssysteme auf Blockchain-Basis können “Google & Co.” mehr Unabhängigkeit gewinnen.

  • Zum einen, indem sie die Bank als Mittelsmann entfernen,
  • und zum anderen, indem sie damit gleichzeitig den Einfluss der Staaten einschränken.

 

Der Staat hat es schlicht deutlich einfacher, einen Finanzdienstleister zu regulieren, der auf die staatlichen oder teilstaatlichen Infrastrukturen angewiesen ist wie beispielsweise den Zentralbanken.

Besitzt ein Finanzdienstleister hingegen eine eigene globale Abwicklungs-Infrastruktur, die den Austausch jeglicher Eigentumswerte ermöglicht, dann wird staatliche Willkür in Form von beispielsweise Sanktionen und Verboten zum Papiertiger.

Mit der neuen „Apple Card“, die derzeit noch in Kooperation mit Goldman Sachs und Mastercard angeboten wird, bietet der Konzern zum Beispiel erstmals eine eigene Kreditkarte samt Payback-Programm an.
Apple – dieses Unternehmen gruppieren wir in diesem Sachzusammenhang thematisch zu “Google & Co.” – könnte sich schlussendlich nicht nur von Goldman Sachs unabhängig machen, sondern zunehmend auch von staatlicher Regulierung.

Mit einer hinzutretenden eigenen Kryptowährung erreicht man dann nämlich gleichzeitig weitestgehende Unabhängigkeit von Notenbanken. Ein Stable Coin wäre dann nicht ausnahmslos 1 : 1 an eine jeweilige Landeswährung gekoppelt. Einer dieser Konzerne könnte so tatsächlich seine eigene Geldpolitik umsetzen.

Parallel forscht man an alternativen Infrastrukturen, insbesondere an der Blockchain. Auch wird es in der Übergangsphase vorkommen, dass Bank-Lizenzen oder direkt ganze Bankinstitute erworben werden – Kapital ist schließlich bei diesen Giganten zur Genüge vorhanden. Mit zunehmendem Ausbau der Blockchain-Projekte, allen voran eigener Kryptowährungen, werden mehr und mehr Dienstleistungen auf die neuen Infrastrukturen überführt.

Gleichzeitig geraten damit automatisch die vormaligen Kooperationspartner, also die Banken, immer stärker unter Druck, da mehr und mehr Geschäft sich die Digitalkonzerne völlig eigenständig einverleiben.

Die Marktanteile verschieben sich zu Gunsten der neuen Player, deren Überlegenheit mit jedem weiteren Kunden oder Handelsgeschäft wächst – dank der zur Verfügung stehenden Daten und Algorithmen. Schlussendlich wird das bestehende Finanzökosystem von den alten Strukturen entkoppelt und in die Hände weniger Digitalkonzerne überführt.

Ein Horrorszenario?

  • Einerseits ja! Natürlich ja!
  • Aber das bestehende Finanzsystem mit seiner Verquickung mit den überschuldeten Staaten verbunden mit deren Besteuerungsterrorismus ist der aktuelle Horror.

 

Im Windschatten dieser Vernichtung des alten maroden Systems durch “Google & Co.” öffnen sich neue Räume, neue Freiheiten. Denn der absehbare Sieg von “Google & Co.” beraubt die alten Eliten auch ihrer Repressionsmöglichkeiten gegen “Bitcoin & Co”. Ein deprimierter Soldat des sich auflösenden Systems gibt auch den für ihn dann sinnlos gewordenen Krieg gegen die von “Google & Co.” unabhängigen Kryptowährungen auf. Für “Google & Co.” andererseits sind Kryptowährungen gar kein Gegner. Denen ist es egal, in welcher Währung sie bezahlt werden. Im Zweifel richten sie sogar Schnittstellen zwischen ihren eigenen Stable Coins und Bitcoin ein.

Damit relativiert sich das Horrorszenario.

“Google & Co.” reissen mit ihrer Macht die sie blockierenden Barrikaden ein. Aber es sind die identischen Barrikaden, die auch gegen Bitcoin errichtet worden sind. Bitcoin kommt in den Genuss eines “Windfall-Profits”; und damit der Kryptowährungsnutzer seinem Ziel näher, seine eigene nicht von staatlicher Willkür eingeschränkte Bank zu sein.

Das “Horrorszenarion” wird plötzlich zum Silberstreif am Horizont und verheisst mehr Freiheit.

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