Der Petro & Venezuela nach Maduro

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Venezuela gibt als erster Staat eine offizielle Krypto-Währung heraus, den Petro. Staatliche Krypto-Währungen könnten in Zeiten hoher Volatilität ein wichtiger Schritt in Richtung Stabilität und Akzeptanz für Krypto-Währungen im Allgemeinen sein.

Nun kommt das aber ausgerechnet aus Venezuela, dem krisengebeutelten Land mit dem recht skrupellosen Nicolás Maduro als Präsidenten – einem Mann mit der Ausbildung zum Busfahrer.
Kann das gut gehen?

Vielleicht ja, denn es stehen Veränderung in Venezuela bevor,

die die heimische Presse unterschlägt.

Ob das der Dämlichkeit des typischen halbhirnigen Standardjournalisten mit abgebrochenem Hochschulstudium geschuldet ist oder dem gefilterten Informationsfluss einer gesteuerten Systempresse, das lassen wir dahingestellt.

In Venezuela bewegt sich derzeit tatsächlich viel.

Die Rückkehr Venezuelas in das Konzert der normalen Nationen könnte nach dem 20. Mai 2018 erfolgen. Maduro hat sich nämlich mit seinem einzigen realen Gegenspieler Henri Falcon auf das Datum der nächsten Wahlen verständigt hat. Damit macht Maduro eine reguläre Wahl möglich. Das gilt umso mehr, als Falcon gleichzeitig die Anwesenheit von internationalen Beobachtern fordert, um die ordentliche Durchführung der Wahl zu garantieren.

In Anbetracht der katastrophalen Lage Venezuelas machen faire Wahlen, in denen sich Maduro und Falcon gegenüber stehen, eine Sieg Falcons wahrscheinlich.

Auch Henri Falcón Fuentes, so sein kompletter Name, ist Chavista, aber nicht Busfahrer. Falcon ist im Gegensatz zu Maduro ein reformorientierter und kompromissbereiter Chavista, der also für das Lager von Maduro sogar akzeptabel ist.

Das ist er aber auch für das Lager der südamerikanischen Linken (ALBA). Damit gemeint ist die sog. “Bolivarianische Allianz für die Völker unseres Amerika”, womit wiederum der “Handelsvertrag der Völker” (spanisch: Alianza Bolivariana para los Pueblos de Nuestra América / Tratado de Comercio de los Pueblos, ALBA-TCP) gemeint ist. Das ist ein wirtschaftliches und politisches Bündnis von derzeit elf Staaten Lateinamerikas und der Karibik. Das Bündnis soll eine Alternative zu der von den USA in Zeiten vor Donald Trump geplanten gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA darstellen.

Falcon wäre aber aber auch akzeptabel für die Vereinigten Staaten selbst und natürlich sogar für die nord- und südamerikanische Rechte im Rahmen der OAS.

Hinzu kommt, dass Mexiko gerade dabei ist, ins ALBA-Lager zu kippen. Da bahnen sich neue und hochinteressante Allianzen an.

Genauso wie Europa unter der Ausgrenzung Russlands leidet und der Nahe und Mittlere Osten unter
der Ausgrenzung des Iran, leidet Südamerika unter der Ausgrenzung Venezuelas. Ein Kompromiss
wird willkommen sein: Maduro kann dem zustimmen, wenn er nicht den Eindruck hat, dass er das Land den Verrätern des Chavismus überlässt.

Die Lage seines Landes ist sehr schwierig. Es gibt nicht einmal genug Mehl, um die Hostien für die Messe herzustellen.

Falcon ist der so sehr benötigte Mann des Kompromisses. Er scheint Maduros Zustimmung zu haben. Er wird bei der anstehenden Wahl zum klaren Favoriten.

Mittel- und Südamerika würde Falcons Wahl den Gewinn bringen, dass das potentiell so reiche Venezuela wieder zurückkehrt und den gesamten Kontinent stärkt.

Am Tag nach der Wahl Falcons würden 297 Giga-Barrel an venezolanischem Rohöl auf den Weltmarkt zurückkehren.

Müssen wir noch besondere Ausführungen machen, was das für den Wert des Petro in der Zukunft bedeutet?

Natürlich wird der Ölpreis mit der Rückkehr Venezuelas wieder fallen zum Leidwesen der OPEC. Aber die Preisschwelle von USD 50,00 wird wohl halten. Das reicht vollkommen für eine positive Wertentwicklung des Petro.

Zu beachten ist darüberhinaus, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei dem Petro-Projekt China und Russland dezent mitmischen. Beide Länder suchen selbst nach Möglichkeiten, den US-Dollar als dominierende Währung auszubremsen, zumindest zu umgehen. Beide Länder haben in die Rohstoffreserven Venezuelas mächtig investiert. Ohne Zustimmung von China und Russland hätte Maduro das Projekt gar nicht starten können. Es wird wohl auch nicht zur Zustimmung gewesen sein, sondern aktive Unterstützung durch “Know How”.

Diese Auffassung von uns findet zwischenzeitlich Bestätigung durch das amerikanische Time Magazin vom 20. März. Der Autor des Artikels, Simon Shuster, schreibt:

„Hinter den Kulissen war der Petro de facto eine Zusammenarbeit – eine halb-versteckte Arbeitsgemeinschaft zwischen venezolanischen und russischen Offiziellen und Geschäftsmännern, deren Ziel es war, die Kraft der US-Sanktionen auszuhöhlen.“

Die russischen Milliardäre Dennis Druzhkov und Fyodor Bogorodsky sollen Präsident Nicolas Maduro maßgeblich bei der Konzeption und Herausgabe seiner nationalen Kryptowährung gestützt haben. Mit dem Segen Wladimir Putins sollen zudem Regierungsoffizielle des Kremls bei der Entwicklung des Petro zur Seite gestanden haben.

Russland steckt derzeit selbst in den Vorbereitungen einer eignen Kryptowährung, des Krypto-Rubels. Wie im Januar bekannt wurde, plant das Finanzministerium für Mitte 2019 fest mit dessen Herausgabe.

Es wäre unpolitisch zu irgnorieren, dass China und Russland an einem neuen Präsidenten mit Namen Henri Falcón Fuentes grosses Wohlgefallen hätten. Wer in eine “Ruine” investiert, in ein Land wie Venezuela, will einen Wiederaufbau – so schnell wie möglich!

Dies alles vorausgeschickt kommen wir nun zum Petro selbst.

Wie bekannt und anders als etwa beim Bitcoin soll der Petro durch den Preis für venezolanisches Öl abgesichert werden – möglicherweise ergänzt durch die Preise für Gas, Gold und Diamanten, allesamt Produkte, die Venezuela im Überfluss besitzt. Da Venezuela über die größten Ölreserven der Welt verfügt, könnte die Erschaffung des Petros also eine gewaltige Liquidität erzeugen.

Fünf Milliarden Fass Öl hat Venezuela an nachgewiesenen Reserven. Bei einem Fasspreis von derzeit knapp USD 60 könnte das klamme Venezuela also potenziell Petros im Wert von rund USD 300 Milliarden lancieren, wie Venezuelas Informationsminister Jorge Rodriguez vorrechnete. Doch im ersten Schritt wird sich die Regierung bescheiden: 100 Millionen Petro wird man lancieren, zum Gegenwert von rund USD 6 Milliarden.

Offiziell will Venezuelas Regierung unter Nicolás Maduro mit der digitalen Währung

„neue Formen der internationalen Finanzierung ermöglichen“.

Die Absicht hinter dem Launch ist klar und nachvollziehbar: Venezuela will ein alternatives Zahlungsmittel und -system etablieren, das nicht von den USA kontrolliert werden kann.

Mit der Kryptowährung könnten nun künftig Gläubiger anonym und unkontrolliert bezahlt werden, die sich jetzt wegen des US-Banns nicht trauen, Bonds des Karibiklandes zu kaufen.

Schauen wir auf das offizielle Whitepaper:

Whitepaper_Petro_en

Das Konzept hat durchaus Charme:

„The PETRO (PTR) will be backed by the Bolivarian Republic of Venezuela and the wealth of its large crude oil reserves.“

Somit wäre der Petro eine klassische asset-backed Währung, analog zu früheren Gold-Deckungen staatlicher Währungen. China lanciert bekanntlich gegenwärtig den goldgedeckten Petro-Yuan für den Öleinkauf. Da sieht man eine geistige Nähe zwischen den beiden Ländern.

In dem Whitepaper wird die Vision der staatlichen Krypto-Währung skizziert:

  • PTR als unabhängige asset-backed Krypto-Währung
  • Die „Deckung“ des PTR soll durch die riesigen Öl-Vorkommen des Landes sichergestellt werden.
  • Durch die Öl-Deckung wird die für Krypto-Währungen typische Volatilität reduziert

 

Venezuela sieht sich als Speerspitze für den Aufbau einer neuen unabhängigen, transparenten und fairen Digital-Ökonomie zum Wohle aufstrebender Staaten und deren Bürgern.

Der PTR-Token selbst verfügt über folgende Eigenschaften:

  • Initial werden 100’000’000 Token herausgegeben
  • Die Ausgabe weitere Tokens erfolgt nur mittels Voting der Tokenholder

 

Die Verteilung der PTR-Tokens:

  1. Ab 20. Februar 2018 wurden 38.400.000 PTR im Rahmen eines PreSale verkauft. Der Preis orientiert sich am Öl-Kurs für ein Barrel venezuleanisches Öl (Ende Januar 2018 ca. USD 60).
  2. Weitere 44.000.000 PTR werden als Initial Coin Offer (ICO) seit 20. März verkauft.
  3. Die restlichen 17.600.000 PTR gehen an die staatliche Behörde „Superintendencia de Criptomonedas y Actividades Conexas Venezolana (SUPCACVEN)“.
  4. Während der gesamten Verkaufsphase wird es degressive Discounts für Früh-Investoren geben.

Nach Abschluss des vorbezeichneten Erstemissionsprozesses kann man im Sekundärmarkt den Petro erwerben. Wir vermuten, dass der Petro dann schnell teurer werden wird – versprechen können wir das natürlich nicht.

Die Verwendung der eingenommenen Mittel ist wie folgt vorgesehen:

  • 15% Innovationsförderung (mit Bezug zu Blockchain),
  • 15% Projekte zur Entwicklung des Ökosystems,
  • 15% Weiterentwicklung der „Petro“-Plattform
  • 55% Eigenständiger Fonds.

 

Das Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Krypto-Währung wird gemäss Whitepaper wie folgt realisiert:

  1. Der PTR wird als staatliches Zahlungsmittel für Steuern und Gebühren anerkannt,
  2. Venezuela garantiert den Umtausch des PTR in Bolívar zum jeweiligen Öl-Preis des Vortages abzüglich eines prozentualen „Abschlages“.
  3. Der Umtausch zwischen PTR und Bolívar erfolgt über staatlich autorisierte Händler.
  4. Die Petro-Blockchain ermöglicht schlussendlich, den Petro als direktes Zahlungsmittel einzusetzen für Unternehmen, Restaurants, Waren- und Dienstleistungsunternehmen.

Der Petro könnte zunächst im Land selbst populär werden, weil er die inflationserschütterte Landeswährung Bolivar im Alltag ersetzen dürfte. Allein das lässt eine nicht unerhebliche Wertsteigerung erwarten.

Generell öffnet sich Venezuela nun den Kryptowährungen ganz allgemein. Venezuelas Regierung hat gesagt, dass das Mining von Kryptowährungen jetzt

“völlig legal”

sei. Das ist ein Windfall-Profit auch für Bitcoin & Co.

In Kommentaren während einer Fernsehansprache, die von der lokalen Nachrichtenagentur TeleSur zitiert wurde, bestätigte Carlos Vargas ausdrücklich, dass Bürger, die Bitcoin und andere Kryptowährungen minen, nicht gegen das Gesetz verstoßen.

Das US-Finanzministerium warnte Mitte Januar davor, dass amerikanische Staatsbürger, die sich mit dem Petro beschäftigen, sich der Verletzung von Sanktionen schuldig machen könnten. Die USA verbieten ihren Staatsbürgern den Petro – schlicht und einfach per “Ordre de Mufti”.

Da hält sich die Überraschung natürlich in Grenzen.

“Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.”

Da kommt eine tiefpreisige Digitalwährung eines am Boden liegenden Landes zu einem Zeitpunkt, zu dem die “Wiedergeburt” des Landes absehbar ist.

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