Christiano Ronaldo und die Hydra

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  • Ein Unternehmen in Irland.
  • Eine Briefkastenfirma in der Karibik.
  • Ein Konto in der Schweiz.

 

Durch dieses Geflecht hat Ronaldo, der bekannteste und bestbezahlte Fußballer der Welt, jahrelang Millionen und Abermillionen an Werbeeinnahmen geschleust. So berichtet es das Handelsblatt im Juli.
Diese Steueraffäre würde den Blick freilegen auf die gigantischen Millionenbeträge, die im Fußball fließen, auf die Gier der Protagonisten, auf den gefährlichen Einfluss eines Beraters namens Jorge Mendes.
Die Internetseite „Football Leaks“ sowie „Der Spiegel“ veröffentlichen seit Monaten die schmutzigen Geschäfte im Profifußball. Auch diese Veröffentlichungen haben als Quelle die Panama Papers und Mossack Fonseca.

Statt mal endlich der Frage nachzugehen, inwieweit die wirklichkeitsfremden Ablösesummen für “dumme Jungs”, die nur etwas geschickter mit einem Ball umgehen können als andere, Teil einer grossangelegten Geldwäsche sind, überfordert anscheinend unsere Journalisten. Im Stile des Sensationsjournalismus erhöht man seine Auflagen mit Enthüllungen über Prominente die gar nicht wissen, zu welch wirklich schmutzigen Geschäften ihre Namen in Wirklichkeit missbraucht werden. Man konzentriert sich auf den kleinen Ausschnitt der möglichen Steuerverkürzung der Prominenten selbst und die damit zusammenhängenden Ermittlungen gegen diese in Wirklichkeit “kleinen Fische” im Rahmen des grossen Geschäftes der schmutzigen Transferzahlungen – teilweise bei Nutzung nicht durchschaubarer dubioser arabischer Finanz-Quellen.

Dies nutzt aber den Regierungen der überschuldeten Industrieländer der westlichen Welt. Dem normalen Untertan wird vorgeführt, dass selbst Prominenten Steuervergehen zur Last gelegt werden, obwohl sie doch wohl über ausgezeichnete Berater verfügten. Versteckte Botschaft:

“Wenn wir die Prominenten kriegen, kriegen wir Dich armes Würstchen erst recht!”

Die Stories um die Fussballer herum sind eher niedlich:

  1. Wer mit Ronaldo werben will, wer sein Gesicht für eine PR-Kampagne oder nur für die kleinen, berühmten Stickerbilder der Fußballstars verwenden will, musste die entsprechenden Verträge bis 2014 mit einer Firma in Irland abschließen. Mehrheitsaktionär dieser Firma: Jorge Mendes. Geschäftsführer: der Neffe von Herrn Mendes. Die Firma in Irland behielt nach Abschluss jedes Vertrages eine Provision für sich ein und leitete das restliche Geld auf die Britischen Jungferninseln weiter. Dort saß eine Briefkastenfirma von Mossack Fonseca, die ein Konto in der Schweiz besaß und an die Ronaldo bis 2014 seine Bild- und Werberechte abtrat. Mehr als 70 Millionen Euro flossen auf diesem Weg zwischen 2009 und 2014 in die steuerfreie Karibik – na ja, eigentlich eher in die Schweiz.
  2. Im Juni erstattete die Staatsanwaltschaft in Madrid Anzeige wegen Steuerhinterziehung gegen den Startrainer José Mourinho. Sein Konstrukt: Eine Offshore-Firma in der Karibik. Sein Berater: Jorge Mendes.
  3. Kurz danach erschien auch der Stürmer Radamel Falcao vor Gericht und zahlte an den spanischen Fiskus mehr als acht Millionen Euro nach. Sein Berater: Jorge Mendes.
  4. Die Ermittlungen gegen den weiteren Mendes-Klienten namens James Rodríguez laufen in Spanien ebenfalls. James Rodríguez ist gerade von Real Madrid zu Bayern München gewechselt.
  5. Es gibt auch noch Pepe, Fabio Coentrao oder Angel di María: Sie alle spielten für Real Madrid, sie alle unterhielten eine Briefkastenfirma in der Karibik, sie alle werden beraten von Jorge Mendes.

Der vordergründige Druck auf Steueroasen nimmt in der öffentlichen Wahrnehmung zu. Weniger allerdings in den Steueroasen selbst als in den Köpfen der Leser dieses Sensationsjournalismus mit den Überschriften “Football Leaks” und “Panama-Papers”, wobei die “Football Leaks” ja nur den “Panama-Papers” entnommen sind.

Da wird demnach eine Mücke zum Elefanten aufgeblasen.

Einer hat das klar erkannt, wusste es immer. Wir meinen Finanzminister Wolfgang Schäuble. Zu professioneller Steueroptimierung über ausgewählte und weniger im Focus stehender Steueroasen meint er:

„Das ist ein Kampf gegen Hydra.“

Die Hydra (Ὕδρα) ist ein vielköpfiges schlangenähnliches Ungeheuer der griechischen Mythologie. Wenn es einen Kopf verliert, wachsen an dessen Stelle zwei neue Köpfe. Zudem war der Kopf in der Mitte unsterblich. Die Hydra wurde aufgrund einer geographischen Zuordnung auch “Lernäische Schlange” genannt.
Die Hydra gilt deshalb als sprichwörtliches Gleichnis für Situationen, wo jeder Versuch einer Eindämmung oder Unterdrückung nur zur Ausweitung einer Eskalation führt. Die Hydra steht demnach für das, was man nur ‚kleinhalten‘ kann, indem man es unberührt lässt.

Ein Herakles ist nicht in Sicht.

Da gibt es allenfalls ein paar Gestalten wie Don Quijote auf seinem alten dürren Gaul Rosinante in Begleitung von Personen wie Sancho Panza auf der Suche nach dem Erfolg über Steueroasen mit Namen wie “Dulcinea von Toboso”. Don Quijote ist es bei Cervantes niemals gelungen, Dulcinea zu Gesicht zu bekommen. So hecheln also jetzt diverse Don Quijotes viel zu flexiblen Steueroasen-Modellen hinterher, erblicken in ihrem Wahn aber nur Windmülen und Dulcinea bleibt unangetastet – ebenso jungfräulich wie attraktiv.

Statt Dulcinea erwischt Don Quichote aber von Zeit zu Zeit Prominente wie den Traummann Boris Becker.

Was macht eigentlich ausgerechnet Prominente zu Fallobst?

Nachdem ein Londoner Gericht Boris Becker nach britischem Recht für “bankrott“ erklärt hatte, erhebt auch noch sein früherer Geschäftspartner Hans-Dieter Cleven Forderungen im zweistelligen Millionenbereich, die von einem Schweizer Gericht bereits für im Grundsatz gerechtfertigt erklärt wurden. Angeblich soll Becker sich auch in großem Stil an fragwürdigen Rohstoffaktivitäten in Nigeria beteiligt haben.

Ein Berater – wieder so ein Berater – hatte “Uns Bum-Bum-Boris” bereits in seiner aktiven Wimbledon-Zeit das seinerzeit beliebte Steueroptimierungsmodell “Dutch Sandwich” verpasst. Wer sich aber bei jedem Heimspiel des FC Bayern München auf der Ehrentribüne von Fernsehkamaras einfangen lässt, macht es dem dümmsten Steuerfahnder leicht festzustellen, dass da jemand sich nicht die notwendige Zeit ausserhalb Deutschlands aufgehalten haben kann, um das “Dutch Sandwich” wirksam werden zu lassen.

Grundsätzlich sind Prominente wie Becker, Ronaldo, Messi & Co, die in ihrem Metier extrem erfolgreich waren oder noch sind, äußerst empfänglich für vermeintlich totsichere Tipps in Sachen Geldanlage und Steueroptimierung.

Woran liegt es aber, dass Menschen, die Spitzenleistungen im Sport erbracht haben oder als Künstler Millionen von Menschen unterhalten, nicht zufrieden sind damit, nur mit diesem einen Talent erfolgreich zu sein?

Nun: Aus einem gewissen Minderwertigkeitsgefühl heraus will man demonstrieren, auch außerhalb seiner eigentlichen Profession erfolgreich zu sein. Da man aber ausserhalb des eigenen – eigentlich recht unwirklichen Umfeldes – tatsächlich ziemlich dämlich ist, ist die Gefahr groß, auf Berater oder Angebote hereinzufallen, die nicht besonders seriös sind. Schließlich gibt es weltweit immer noch genug Anbieter von Dienstleistungen, die statt des Kundennutzens ausschließlich ihren eigenen wirtschaftlichen Vorteil im Fokus haben. Diese haben dann vielfach den „absolut sicheren Tipp“. Dazu gehört dann der Tipp etwa eines Jorge Mendes,

…da gäbe es in Panama die Freunde von Mossack Fonseca. Diese Spitzenleute bauen auf den Britischen Jungferninseln einfach eine Gesellschaft auf, alles ganz sicher! Der Unternehmenssteuersatz dort betrage 0%. Das verknüpfen die mit Irland und fertig. …

So lief das Geschäft zwischen Jorge Mendes und Mossack Fonseca, alle verdienten, Herr Mendes auch noch an einer Provision aus Panama für die Vermittlung von Ronaldo, Messi, James Rodríguez, Renato Sanches, Nelson Semedo, André und Bernardo Silva, Ederson und Pepe. Wenn derartige Angebote kommen, schaltet sich bei vielen dieser Prominenten der gesunde Menschenverstand ab, insbesondere wenn das Gehirn die Form eines Fussballs hat.

Geschäfte von Jorge Mendes und Mossack Fonseca sind nicht geräuschlos, da entstand schon in der Calle 54 im Stadtteil Marbella von Panama-City selbst viel zu viel Wind. Im Offshore Geschäft hat Wind aber nichts verloren.

Stattdessen sollte man viel Wert auf die Geräuschlosigkeit wie die professionelle Ausbildung und auf die Expertise unabhängiger Experten legen, die auf langjähriger Erfahrung und einem tadellosem Ruf beruhen. Zwar lassen sich damit keine unrealistischen Träume versponnener Prominenter verwirklichen, so wie unseriöse Berater sie vorgaukeln. Aber das Vermögen wird solide, langfristig und erfolgreich auf- und ausgebaut und vor staatlichem Besteuerungsterrorismus im Rahmen des möglichen abgeschirmt.

Man muss nur wissen, wie man die Hydra richtig einsetzt.

Und diese Hydra ist es, die Wolfgang Schäuble dauerhaft fürchtet. Vor Jorge Mendes, Mossack Fonseca und ähnlichen Windgestalten fürchtet er sich nicht.

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